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	<title>REISEBREI</title>
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	<description>Das kultige kleine Travelmagazin</description>
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		<title>Reisebrei zieht um!</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Nov 2012 08:01:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Leser, Fans und Reisende, Das kultige kleine Travelmagazin schließt seine Pforten. Aber es geht weiter: Alle Inhalte ziehen um zu Meerblog. Dort findet ihr die Artikel und all unsere Erlebnisse nach Meeren sortiert. Auch Kolumnist Luis wird zum Meerblogger. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei Meerblog!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2012/10/MeckPomKraniche4.jpg" alt="Ein Himmel voller Kraniche über dem Bodden" /></p>
<p>Liebe Leser, Fans und Reisende,</p>
<p>Das kultige kleine Travelmagazin schließt seine Pforten. Aber es geht weiter: Alle Inhalte ziehen um zu <a href="http://meerblog.de" target="_blank">Meerblog</a>. Dort findet ihr die Artikel und all unsere Erlebnisse nach Meeren sortiert. Auch <a href="http://meerblog.de/category/kolumne/" target="_blank">Kolumnist Luis</a> wird zum Meerblogger.</p>
<p>Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei <a href="http://meerblog.de" target="_blank">Meerblog</a>!</p>
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		<title>Klippen-Hopping in Irland</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Aug 2012 19:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Postkarten]]></category>
		<category><![CDATA[Cahir Castle]]></category>
		<category><![CDATA[Cliffs of Moher]]></category>
		<category><![CDATA[Clonakilty]]></category>
		<category><![CDATA[Dingle]]></category>
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		<category><![CDATA[Irland]]></category>
		<category><![CDATA[Ring of Kerry]]></category>
		<category><![CDATA[Südosten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die erste Postkarte in der gleichnamigen Rubrik von Reisebrei kommt von Murmeltier Marco – Reisebekanntschaft von Doris Neubauer und Berichterstatter für ihr Reiseblog littlemissitchyfeet.com: Ciao Luis! So kann es einem Murmeltier mit drei Mädels in Irland ergehen: zehn Tage voller Stress! Von einer Klippe zur nächsten, von einem Strand zum anderen. Warum, fragst du dich? Nachdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die erste Postkarte in der gleichnamigen Rubrik von Reisebrei kommt von Murmeltier Marco – Reisebekanntschaft von Doris Neubauer und Berichterstatter für ihr Reiseblog <a href="http://www.littlemissitchyfeet.com/" target="_blank">littlemissitchyfeet.com</a>:</strong><em></p>
<p>Ciao Luis! </p>
<p>So kann es einem Murmeltier mit drei Mädels in Irland ergehen: zehn Tage voller Stress! Von einer Klippe zur nächsten, von einem Strand zum anderen. Warum, fragst du dich?</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2012/08/MarcoUnterwegs.jpg" alt="Murmeltier Marco bloggt für LittleMissItchyFeet aus Irland" /></p>
<p>Nachdem ich für die Drei den Routenplaner und sogar den Chauffeur gespielt habe – das Linksfahren war für Doris und ihre Freundinnen wohl doch zu anstrengend – komme ich erst heute dazu, dir zu schreiben. Ich sitze am Flughafen in Frankfurt. Geschlafen habe ich kaum. </p>
<p>Aber trotz allem kann ich dir sagen: Irland lohnt sich – auch mit weiblicher Begleitung!</p>
<p>Dublin kennst du ja, stimmt's? Die Stadt war unser Ausgangspunkt, doch nach zwei Nächten sind wir in Richtung Südosten gefahren. Ach, der Süden – ich bekomme gleich Heimweh nach Italien... Mein schönes Südtirol! Aber gut, grüne Berge und Hügel gibt's in Irland genauso. </p>
<p>Und erst die Blumenpracht: Überall an den Straßenseiten blitzt es rot, orange, gelb durch. Vor allem, wenn man so gutes Wetter und strahlenden Sonnenschein hatte wie wir. Die Sonne war zu uns fast genauso freundlich wie die Iren – jedes Gespräch begann und endete mit den Worten: "Habt Ihr ein Glück mit dem Wetter!"</p>
<p>Unser Weg führte uns von Dublin nach Cahir Castle. Ganz nett, aber ich hab's nicht so mit den alten Gemäuern. Stattdessen habe ich lieber einen süßen Fudge in einem netten, kleinen "Tante-Emma-Laden" gegessen und die Mädels durch das Schloss stapfen lassen. </p>
<p>Dann folgte Clonakilty, wo wir übernachtet und im Pub ENDLICH unser erstes Bier getrunken haben. Ein Fan des Black Puddings, der für die Region so bekannten Blutwurst, bin ich nicht geworden. Aber so ein deftiges Frühstück wie das Irische, das hat es schon in sich. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2012/08/MarcoCliffsMoher.jpg" alt="Abhängen an den Cliffs of Moher" /></p>
<p>Ab auf die Beara Halbinsel: Ich wollte ja unbedingt mit der einzigen Seilbahn Irlands fahren, aber wir kamen – wieder einmal – zu spät. Das lag bloß daran, dass die Mädels <a href="http://www.littlemissitchyfeet.com/irische-bootsfahrtgeschichten/" target="_blank">Boot fahren und Robben</a> sehen wollten. Also keine Seilbahn, stattdessen sind wir weiter nach Kenmare, wo wir die zweite Nacht in einem Bed &#038; Breakfast verbracht haben. Ich im Zimmer mit drei Frauen. Allein!</p>
<p>Der Ring of Kerry und die Halbinsel Dingle warteten schon auf uns. Dort haben wir tatsächlich auf einem Bauernhof übernachtet! Dann zu den Cliffs of Moher (siehe Foto) und nach Galway, wo ich ja gern das Nachtleben genossen hätte – meine Mädels waren aber müde... </p>
<p>Die letzten zwei Tage haben wir dann in <a href="http://www.littlemissitchyfeet.com/in-irlands-einzigem-okodorf-gekommen-um-zu-bleiben/" target="_blank">Irlands einzigem Ökodorf</a> verbracht. Ich habe mich – ehrlich gesagt – etwas gelangweilt bei der Führung durch die Gemeinschaftsfarm und die Erklärung zur ökologischen Bauweise, aber die Mädels waren schwer begeistert.</p>
<p>Richtig froh bin ich, dass es jetzt nach Hause zurück geht. Die Tage in Irland waren doch anstrengend. Ich glaube, ich werde die nächste Reise wieder in einer Männerrunde machen. Na, wie wär's – hast du Lust, Luis?</p>
<p>Grüß mir deine Chefin ganz lieb – auch von der Doris, ja?!</p>
<p>Ciao, </p>
<p>Marco </p>
<p>Text und Fotos: Doris Neubauer</p>
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		<title>Düsseldorf und das Meer</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jun 2012 13:48:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Düsseldorf]]></category>
		<category><![CDATA[Insidertipps]]></category>
		<category><![CDATA[Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Nordfriesland]]></category>
		<category><![CDATA[Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Watt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo kommst du her, wo gehst du hin? In der neuen Rubrik von Reisebrei geht es um Insiderwissen und Lebensläufe. Leute stellen ihre Wohnorte vor und verraten, wo sie außerdem gerne leben würden. Und warum. Ich fange dann mal an... Warum ich meine Wahlheimat am Rhein verlassen habe? Weil Düsseldorf nur einen einzigen Nachteil hat: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wo kommst du her, wo gehst du hin?</em></p>
<p>In der neuen Rubrik von Reisebrei geht es um Insiderwissen und Lebensläufe. Leute stellen ihre Wohnorte vor und verraten, wo sie außerdem gerne leben würden. Und warum.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2012/06/DusseldorfRhein.jpg" alt="Düsseldorf ist ganz klar: die schönste Stadt am Rhein" /></p>
<p>Ich fange dann mal an...</p>
<p><em>Warum ich meine Wahlheimat am Rhein verlassen habe?</em></p>
<p>Weil Düsseldorf nur einen einzigen Nachteil hat: Es liegt nicht am Meer. Sonst ist es die perfekte Stadt. Nicht zu groß und genauso urgemütlich wie international. Es liegt wie hingegossen am Rhein, der die Stadt mäandernd zu umarmen scheint. </p>
<p>Ich liebe Viertel wie Unterbilk oder Flingern, mit diesen kleinen Läden und Lokalen – kettenfrei, alles mit Liebe gemacht. In welcher anderen Stadt gibt es eine Ratinger Straße, wo die Leute bei den ersten Sonnenstrahlen draußen stehen und quatschen, mit einem Getränk in der Hand? So etwas habe ich sonst nur in Lissabons Bairro Alto erlebt.</p>
<p>Und dann die ganzen Programmkinos wie zum Beispiel das Souterrain – Wohnzimmer mit Tisch und Teddy im Kneipenkeller. Ein Picknick auf der Rheinwiese im Sommer, im Hintergrund afrikanische Trommelbeats. Das Openair-Kino am Rhein – seh‘ ich den Film mit oder ohne Regen?</p>
<p><em>Was kann Nordfriesland dem entgegenhalten?</em></p>
<p>Etwas ganz anderes. Das wunderbare Watt. Die Füße in den Schlick graben, der zwischen den Zehen quatscht. Die Haare vom Wind zerzaust. Frisur? Völlig egal. Sand auf der Haut, zwischen den Zähnen. Das Geräusch des Meeres, der Duft, überhaupt – die beste Luft der Welt! </p>
<p>Und eventuell, wenn mal Sommer ist: schwimmen! Die Weite der Landschaft in sich aufnehmen, das ist ein wildes Gefühl von Freiheit. Ein Leben zwischen Schafen, Kühen und Hochlandrindern, zunehmend auch Lamas und Alpakas auf den Fennen rundherum. </p>
<p>Komme ich von einer Reise zurück, erdet mich das alles. Die Natur macht lässig, so ist das einfach. Mehr über Nordfriesland von mir und meiner Bloggerin Julchen steht auf <a href="http://meerblog.de" target="_blank">Meerblog</a>.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2012/06/Strandschaukeln.jpg" alt="Strandschaukeln, St. Peter-Ording" /></p>
<p><em>Welche Orte haben noch eine Chance?</em></p>
<p>Reisen bringt natürlich die Entdeckung neuer Möglichkeiten mit sich. Wie fühlt es sich an, in Kopenhagen zu leben? Nur noch mit dem Rad zu fahren? Oder in Lissabon: Fado zum Frühstück? Selbst eine kurze Erfahrung kann manchmal tief gehen und Sehnsüchte wecken. </p>
<p>Mal sehen, ob ich in Nordfriesland bleibe, irgendwann nach Düsseldorf zurückkehre, ob es mich weiter nach Norden oder wieder mal in den Süden zieht. Wie damals nach Rom, eine unglaubliche Zeit. Die schlafende, alte Stadt bei Morgengrauen auf dem Secondhand-Mofa ohne Helm, die leisen Patio-Konzerte während des Estate Romana...</p>
<p><a href="http://reisebrei.de/?page_id=1914" target="_blank">Text und Fotos: Elke Weiler</a></p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/de465d6e8daa48debfecff1208df5c81" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Kvarner Kreationen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 May 2011 13:54:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Kroatien]]></category>
		<category><![CDATA[Krk]]></category>
		<category><![CDATA[Kvarner Bucht]]></category>
		<category><![CDATA[Opatija]]></category>
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		<description><![CDATA["Land der Berge und des Meeres" wird diese kroatische Bucht genannt. Und das aus gutem Grund: Nicht nur im schönen Opatija scheinen die Berge aus dem Meer heraus zu wachsen. Auch auf den Inseln der Bucht fügt sich oft beides harmonisch zusammen. Und die Winde, die entweder vom Meer oder von den Bergen kommen, sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>"Land der Berge und des Meeres" wird diese kroatische Bucht genannt. Und das aus gutem Grund: Nicht nur im schönen Opatija scheinen die Berge aus dem Meer heraus zu wachsen. </p>
<p>Auch auf den Inseln der Bucht fügt sich oft beides harmonisch zusammen. Und die Winde, die entweder vom Meer oder von den Bergen kommen, sind wetterbestimmend. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/05/KvarnerBucht2.jpg" alt="Mediterranes Stilleben auf der Insel Krk" /></p>
<p>Schaut der Engel auf dem Kirchturm von Krk-Stadt gen Meer, weht die Bora, ein kühler Wind von den Bergen. Schaut er in die andere Richtung, weht Jugo, ein warmer Südwind, der Tiefdruck, Wolken und Regen ankündigt.</p>
<p>Für die Bucht mit Inseln wie Krk, Cres, Rab und Losinj konnte sich in den letzten Jahren allerdings der Begriff "Kvarner" durchsetzen. Und das ist gut so, denn mit einem griffigen Namen lassen sich die eigenen Qualitäten besser bewerben. </p>
<p>"Erst musste Kroatien ein Begriff auf dem touristischen Markt werden. Inzwischen machen sich die Regionen untereinander Konkurrenz", weiß Tanja Augustinovic vom Tourismusverband Kvarner. </p>
<p>Nun läuft die Sache, die Besucherzahlen steigen. Der Flughafen von Rijeka auf Krk profitiert von den Frequenzen der sogenannten Billigflieger. Lange Anfahrtszeiten erspart das den Besuchern der Kvarner Bucht sowieso. </p>
<p>Und jeder Ort besinnt sich auf seine Stärken. Zum ruhigen Kurbad reift das nahe Opatija heran, nachdem die Nightlife-Szene quasi nach Rijeka "verlegt" wurde. Nema problema, sagt man in Kroatien gern, kein Problem. </p>
<p>Denn auch Rijeka, größter Ort der Region, will seinen Vorteil ziehen aus dem Wandel von der Industrie- und Hafenstadt zur Shopping- und Nightlife-Metropole.</p>
<p>Nach den großen Investitionen der letzten Jahren gilt Kroatien im allgemeinen nicht mehr als preiswertes Ziel. Dennoch möchte man treue Kunden nicht verlieren. Ein großes Angebot an privaten Unterkünften und Camping wie auf Krk und Rab kommt dem entgegen. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/05/KvarnerBucht.jpg" alt="An der Marina in Opatija" /></p>
<p>Doch gleichzeitig wurde kräftig in die Hotels investiert, insbesondere im gehobenen Bereich. "Unter vier Sternen geht gar nichts", meint Tanja Augustinovic. Besonders das mondän ausgerichtete Opatija soll künftig eine kaufkräftigere Klientel anziehen. </p>
<p>Während die Tourismusstrategen in Istrien auf Agrotourismus setzen, heißt das Zauberwort in der Kvarner Bucht: Familienhotels. Vor allem in den oft als "Villa" bezeichneten Hotels der Inseln geht die Marschrichtung ins Kreative: Es darf lustig drauflos getöpfert, gemalt und gekocht werden. </p>
<p>Selbst die größeren Hotels versuchen damit die Saison zu verlängern. "Eier bemalen auf kroatische Art" kann zum Beispiel so ein Angebot heißen.</p>
<p>So nimmt es auch nicht wunder, dass sich die "Kvarner Expo" etabliert. Vor einigen Jahre gestartet, um den in Asien produzierten Souvenirs ein Gegengewicht zu bieten, finden sich alljährlich um die 250 Anbieter ein, um Keramiken, Kräuterseifen und Co. "made in Croatia" zu präsentieren. </p>
<p>Ob altes Backrezept der köstlichen <a href="http://reisebrei.de/?p=273">Raber Torte</a> oder Ethno-Look mit Hirtentasche – Traditionen sind trendy im "Land der Berge und des Meeres".</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b1a7ed3acd284fcc9c1bd9f7f09655b3" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Ahoi, Kapitän!</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 12:11:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Fähre]]></category>
		<category><![CDATA[Ostsee]]></category>
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		<description><![CDATA[Håkan sei die schwedische Form des altnordischen Namens Hákon mit der Bedeutung ”Hoher Sohn”, so sagt Wikipedia. Das muss der Grund sein, warum ein gefühltes Viertel der Schweden auf Håkan oder Haakon hört, darunter Fußballspieler, Schriftsteller, Musiker sowie ein Kronprinz. So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Kapitän der ”Peter Pan”, die zwischen Travemünde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Håkan sei die schwedische Form des altnordischen Namens Hákon mit der Bedeutung ”Hoher Sohn”, so sagt Wikipedia. </p>
<p>Das muss der Grund sein, warum ein gefühltes Viertel der Schweden auf Håkan oder Haakon hört, darunter Fußballspieler, Schriftsteller, Musiker sowie ein Kronprinz.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/04/Faehre2.jpg" alt="Mit der Fähre vorbei an der dänischen Insel Møn" /></p>
<p>So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Kapitän der ”Peter Pan”, die zwischen Travemünde und Trelleborg pendelt, ebenfalls zum håkanisierten Teil der Bevölkerung zählt. Der zweite Kapitän an Bord ist allerdings eine Frau.</p>
<p>Bei Bilderbuchwetter legt das Schiff Punkt 10 Uhr in Travemünde ab, und es ist nicht die einzige Großfähre, die sich durch die schmale Hafeneinfahrt vom Skandinavienkai Richtung Ostsee bewegt. Vom Sonnendeck des knapp 30 Meter hohen Schiffs aus erscheint Travemünde noch beschaulicher, als es tatsächlich ist.</p>
<p>Inzwischen haben sich viele Passagiere auf Deck 10 versammelt, die zuvor noch schwedische Köttbullar [ɕœtbɵlːar] und Knäckebrot im Speisesaal probiert haben – natürlich neben dem handelsüblichen Frühstück. Die Fotoapparate zurren und klicken: Yachthafen, Viermastbark, Strandpromenade. Dann das Meer.</p>
<p>Brav und ruhig ist es heute. Mit dem gleichmäßigen Brummen des diesel-elektrischen Antriebs zieht das Schiff eine ganze Weile die mecklenburgische Küste entlang. Aber zurück zu Håkan. Weil man ohne Sonnencreme auf dem Oberdeck schon nach einer halben Stunde krebsrote Haut bekommt, und ein Besuch auf der Brücke nicht nur Schatten sondern auch wertvolle Informationen verspricht, besuchen wir den Mann mit Hausrecht an Bord.</p>
<p>Pssst! Zunächst geht es an den Kabinen des Personals vorbei, und hier könnten einige Schichtdienstler noch schlafen. Dann öffnet sich eine schwere Sicherheitstür, und wir dürfen eintreten in das Reich der Schiffslenker. HighTech, wohin das Auge auch sieht, kontrolliert von einer Handvoll Manpower. Håkan wirkt brückenblass, wenn auch frisch und locker nach bester Schwedenmanier.</p>
<p>Vor allem aber verbreitet er Zuversicht und Glauben in die Technik: “Wir finden selbst bei dichtestem Nebel den Weg.” Die Brücke liegt vor dem Sonnenareal auf Deck 10 und bietet fast einen Rundumblick. Doch die Navigierer können sich blind auf ihr Radar und die elektronische Kartographie verlassen.</p>
<p>“Fast alle gelben Punkte sind Schiffe”, erklärt Håkan mit Blick auf den Kollegen, der konzentriert vorm dunklen Radarschirm hockt und seine nähere Umgebung ignoriert. Draußen taucht die dänische Insel Møn mit ihrer steilen Kreideküste inmitten der tiefblauen Ostseewasser auf und erinnert plastisch daran, dass sie aus sehr altem Muschelkalk besteht. Schlappe 17 Millionen Jahre alt.</p>
<p>Während am Sonnendeck wieder die Fotoapparate gezückt werden, um den strukturierten Streifen am Horizont zu fokussieren, zuckt die Crew nicht mal mit der Wimper. An Møn zieht man schließlich tagtäglich vorbei. Spannender wird es für sie erst wieder bei der Einfahrt ins schwedische Trelleborg, wenn das 190 Meter breite Schiff durch die Fahrrinne zur Anlegestelle gelotst werden muss.</p>
<p>Aber genauso pünktlich wie wir in Travemünde abgelegt haben, ist die Fähre in Trelleborg um 17.15 Uhr bereit zum Entladen. Alles nach Plan also – oder präziser: nach Håkanscher Konzeption.</p>
<p>Text und Foto: Elke Weiler</p>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/82aac73dafab4eee9552986e94107cde" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Reich und links</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 17:01:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Arkaden]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna]]></category>
		<category><![CDATA[Emilia-Romagna]]></category>
		<category><![CDATA[Torre Asinelli]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[Den Beinamen "La Rossa", die Rote, trägt Bologna nicht wegen der warmen Häuserfarben. Sondern vielmehr aufgrund der linken Gesinnung. Denn die wirtschaftlich florierende Uni- und Messestadt ist nach dem Zweiten Weltkrieg traditionell in der Hand der italienischen Kommunisten gewesen. Ein Beispiel aus ihren Hochzeiten: Versuche, zum Beispiel öffentliche Fahrräder kostenlos zur Verfügung zu stellen, scheiterten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den Beinamen "La Rossa", die Rote, trägt Bologna nicht wegen der warmen Häuserfarben. Sondern vielmehr aufgrund der linken Gesinnung. </p>
<p>Denn die wirtschaftlich florierende Uni- und Messestadt ist nach dem Zweiten Weltkrieg traditionell in der Hand der italienischen Kommunisten gewesen. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/03/BolognaArkaden.jpg" alt="Rote Farbe, rote Gesinnung" /></p>
<p>Ein Beispiel aus ihren Hochzeiten: Versuche, zum Beispiel öffentliche Fahrräder kostenlos zur Verfügung zu stellen, scheiterten leider. </p>
<p>Die linke Kultur trägt sich auch heute noch in universitären Kreisen und den sogenannten "Centri Sociali" weiter, eine Alternative zur klassischen Disko. Vor allem junge Leute wirken in den "Centri" und organisieren zum Beispiel Reggae-Konzerte. </p>
<p>Ein weiteres Attribut Bolognas ist "La Dotta" – die Gelehrte, kann die Hauptstadt der Emilia-Romagna doch die erste Universität Europas vorweisen. </p>
<p>Im Gründungsjahr 1088 gab es noch kein Universitätsgebäude, die Professoren unterrichteten in ihren Privatgemächern, in Kirchenräumen oder draußen. 1561 entstand der heutige, nach den Schäden des 2. Weltkrieges restaurierte Bau des "Archiginnasio". </p>
<p>Für viele Bolognesen gilt das komplett aus Holz gestaltete Anatomische Theater, in dem der Professor von einer Kanzel herab den Studenten "predigte", als einer der magischsten Orte der Stadt. </p>
<p>Den Geist der Universität spürt man im gesamten Zentrum während der Vorlesungszeit, denn etwa ein Viertel der Bevölkerung besteht aus Studenten. Das prägt Stadtbild, kulturelles Angebot und Nachtleben. </p>
<p>Die Studenten sind es auch, die an Bolognas typischen Arkadengängen Schuld tragen, zumindest ursächlich. Als in Folge des Unibetriebes mehr Wohnraum benötigt wurde, erweiterten die Bolognesen ihre Häuser ab dem ersten Stock einfach zur Straße hin. </p>
<p>Kilometerlange Arkaden stützen diese Anbauten. Eine geniale Idee, denn heute lässt es sich sogar bei Regen gemütlich durch die Altstadt spazieren. Die Bogengänge gelten – ebenso wie die mittelalterlichen Türme Asinelli und Garisenda – als Markenzeichen der Stadt. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/03/BolognaBorsa.jpg" alt="Bibliothek und Café in der alten Börse" /></p>
<p>Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch der Sala Borsa an der Piazza Maggiore, außen Mittelalter, innen Bibliothek, Buchhandlung und schickes Cafè. Der Clou der großen Halle ist der verglaste Boden, der archäologischen Durchblick zur etruskischen und römischen Vergangenheit Bolognas verschafft. </p>
<p>Die Piazza Maggiore bildet die erste Anlaufstelle für Social Life in der Altstadt. Hier trifft man sich am frühen Abend in einem der zahlreichen Cafés gerne zum Aperitif mit Blick auf die riesige Basilika San Petronio, deren Fassade leider nie fertig geworden ist. </p>
<p>Auch der Neptunsbrunnen des Meisters Giambologna an der angrenzenden Piazza ist ein beliebter Treff- und Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten.</p>
<p>Als schönste Kirche Bolognas gilt übrigens nicht San Petronio, sondern Santo Stefano, ein mittelalterlicher Komplex aus Kirchen, Kapellen und Kreuzgängen in der Via Santo Stefano. </p>
<p>Den besten Blick über die Altstadt hat, wer es schafft, die 92 Meter des Torre Asinelli hochzukraxeln. Der kleinere Turm Garisenda hängt ganze drei Meter über! Das Pisa-Problem geht auf den weichen Untergrund zurück. </p>
<p>Zur Orientierung in der Stadt und als Treffpunkt dienen die schiefen Türme am Endpunkt der Via Rizzoli allemal. Von hier aus geht es ins Uni-Viertel und über die Via Zamboni auch zum Teatro Comunale, eine renommierte Oper mit üppiger Innenausstattung und einer schwungvollen Architektur aus dem 18. Jahrhundert. </p>
<p>Der Architekt Antonio Galli Bibiena schuf den Grundriss in Form einer Glocke. Klassikfans sollten allerdings rechtzeitig Karten bestellen, denn das Theater ist nicht allzu groß. Bologna, die Musikalische also - auch wenn das kein offizieller Beiname ist. Viele Liedermacher wie Luca Carboni oder Lucio Dalla stammen aus der Stadt.</p>
<p>Nicht zu vergessen: Bologna, die Geschäftige. Schaufensterbummel und Shopping - mit ihren zahlreichen Boutiquen und Designerläden in den Straßen und Gallerien rund um die Piazza Maggiore wirkt die Altstadt kompakt und bestens ausgestattet für jeden Wunsch. </p>
<p>Und zum Auftakt oder Abschluss gibt’s einen Espresso im Traditionscafè Zanarini unter den alten Hörsälen des "Archiginnasio".</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/03/BolognaAbend.jpg" alt="Treffpunkt: Piazza Maggiore" /></p>
<p>Typische Bologneser Produkte sind <a href="http://reisebrei.de/?p=706">Tortellini</a> in allen Größen und mit den raffiniertesten Füllungen. Die beliebteste Nudelsoße heißt "Ragù" (bei uns bezeichnenderweise "bolognese"). Ein gutes Ragù wird mit verschiedenen Fleischsorten, Rotwein und sehr lange gekocht. </p>
<p>Allerdings kommt es nicht wie bei uns auf die Spaghetti, sondern zum Beispiel auf die "Garganelli", Teigquadrate, die übers Eck zu kurzen Röllchen geformt werden. </p>
<p>Wer etwas sehr Typisches essen will, geht zum Beispiel ins Traditionslokal Diana in der Via Indipendenza. <a href="http://reisebrei.de/?p=235">Fleischberge</a> warten! </p>
<p>Zu der deftigen Bologneser Küche macht sich vor allem ein Gläschen des regionalen Sangiovese gut. Leckere Pizza und Pasta gibt es zu gemäßigten Preisen im "Scalinatella" in der Via Caduti di Cefalonia. </p>
<p>Und last but not least: Bolognas bestes Eis mit fantasievollen Kreationen und Namen bietet "Il Gelatauro"  in der Via San Vitale. Bologna, die Stadt des Genusses!</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/3111e64e5329471fba24d9c98a8a3206" width="1" height="1" alt=""> </p>
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		<title>Fata Morgana in Weiß</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Mar 2011 18:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Apulien]]></category>
		<category><![CDATA[Ostuni]]></category>
		<category><![CDATA[Weiße Stadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Plötzlich ist sie da. Wie eine Fata Morgana. Bei der Fahrt durch die Olivenhaine erscheint Ostuni, die weiße Stadt, auf dem Hügel. WIr steigen aus. Ein kurzer Spaziergang über den baumbestückten Corso Giuseppe Mazzini führt vorbei an alten Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen. Die Gassen rechts vom Corso führen in den neueren, barocken Teil der Stadt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Plötzlich ist sie da. Wie eine Fata Morgana. Bei der Fahrt durch die Olivenhaine erscheint Ostuni, die weiße Stadt, auf dem Hügel. </p>
<p>WIr steigen aus. Ein kurzer Spaziergang über den baumbestückten Corso Giuseppe Mazzini führt vorbei an alten Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen. Die Gassen rechts vom Corso führen in den neueren, barocken Teil der Stadt.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/03/Ostuni.jpg" alt="Die weiße Stadt und das blaue Meer" /></p>
<p>Links davon beginnt das "Centro Storico", die auf der Hügelspitze thronende Altstadt mit ihren gewundenen Gassen und den vielen Souvenirläden. </p>
<p>Sie wird von den Einwohnern einfach nur "La Terra" genannt. Es lohnt sich, vor dem Abbiegen und Eintauchen in das Gassenlabyrinth noch ein Stück den Corso entlang zu schreiten. </p>
<p>Denn eine Aussichtsterrasse bietet den besten Blick auf den Altstadthügel und die Umgebung. Bis zum blauen Meer Apuliens, das nur acht Kilometer entfernt ist.</p>
<p>Hinauf geht's zur zentralen Piazza della Libertà, wo Cafés zu einer Verschnaufpause alla italiana einladen. Ein Bitterino als Aperitivo? Dazu kommt das Knabberzeugs gratis. Zeit für einen Plausch nach Feierabend haben die Ostunesi nun.</p>
<p>Die Statue des Sant‘Oronzo auf der 21 Meter hohen Guglia, einer verzierten Säule, ist ein guter Orientierungs- und Treffpunkt. Aber in Ostuni geht man so schnell nicht verloren.</p>
<p>Durch die Sitte, Fassaden mit Kalk zu übertünchen, wird mit der Zeit so manches dekorative Detail unsichtbar, das dem sandfarbenen Tuffstein abgewonnen wurde, dem traditionellen Baumaterial der Gegend.</p>
<p>Die typischen kubischen Häuser wurden zum Teil regelrecht in den weichen Stein des Hügels hineingegraben. Im heißen süditalienischen Sommer durchaus von Nutzen.</p>
<p>Die Souvenirläden - hauptsächlich an der zentralen Via Cattedrale gelegen - verweisen auf die gute touristische Infrastruktur, ebenso wie die zahlreichen Restaurants, Hotels und Bed &#038; Breakfasts der Stadt. </p>
<p>Im Sommer verdreifacht sich die Zahl der knapp 33 000 Einwohner. Souvenirs gibt es satt für die Gäste: Wie die Olivenhaine schon vermuten ließen, ist das sehr gute, native Olivenöl Apuliens ein typisches Produkt, ebenso wie die bunten Keramiken, grobgeflochtene Korbwaren und der Vino.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/03/Ostuni2.jpg" alt="Filigrane Fassade: Rosette der Kathedrale von Ostuni" /></p>
<p>Auf dem höchsten Punkt der Altstadt, den Hügel krönend, thront die Kathedrale. Als eines der wenigen Gebäude Ostunis wurde sie nicht mit Kalk geweißt: Warm leuchtet der Tuffstein im Abendlicht auf. </p>
<p>Die betont flache Fassade wird von einer ebenso imposanten wie filigranen Rosette dominiert. Die geschickten Steinmetze der Ära haben ihr die zartesten Formen verliehen - wie gehäkelt wirkt der Stein hier.</p>
<p>Der Largo Arcidiacono Teodoro Trinchera öffnet sich zur Fassade der Kathedrale hin. Wer will, kann hier mit Blick auf die Kirche gemütlich sitzen und die romanischen, gotischen und venezianischen Stilelemente des Baus vom Ende des 15. Jahrhunderts mit Muße studieren. Oder einfach nur genießen.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/9981de36f16647d7acab76e6ff855721" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Im Sinne des Erfinders</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 09:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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		<category><![CDATA[Valencia]]></category>
		<category><![CDATA[Wassergericht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Fluss kann die Seele einer Stadt sein. Doch in Valencia, Spaniens drittgrößter Stadt, hieß es für den Río Túria: Umleitung und Verbannung. Ein spärliches Rinnsal war das, was blieb, irgendwo draußen, in den grauen Vorstädten. Der Grund allen Übels: Einmal war der Túria völlig aus den Nähten geplatzt, und das Hochwasser hatte 1957 große [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Fluss kann die Seele einer Stadt sein. </p>
<p>Doch in Valencia, Spaniens drittgrößter Stadt, hieß es für den Río Túria: Umleitung und Verbannung. Ein spärliches Rinnsal war das, was blieb, irgendwo draußen, in den grauen Vorstädten.</p>
<p>Der Grund allen Übels: Einmal war der Túria völlig aus den Nähten geplatzt, und das Hochwasser hatte 1957 große Schäden im gepflegten Valencia hinterlassen. </p>
<p>Es blieb nichts als ein breites Flussbett, das den historischen Kern Valencias umschlang – leer und öde.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Valencia.jpg" alt="In der Stadt der Künste und Wissenschaften" /></p>
<p>Doch was findige Valencianer mit einer Vorliebe für üppige Gärten sind, die zaubern aus dem zehn Kilometer langen Ödland einen städtischen Park – zur Freude aller Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer, Inlineskater und Kinder.</p>
<p>Und dann 1998, der Paukenschlag: Im breiten, südlichen Teil des alten Flussbettes beginnt eine futuristische Betonstadt aus dem Boden zu wachsen. Wer, wenn nicht ein Valencianer, sollte einen Großteil des Areals bebauen? </p>
<p>Man rief den in Zürich lebenden Ingenieur und Architekten Santiago Calatrava auf den Plan, und die monumentale Stadt der Künste und der Wissenschaften ward geboren.</p>
<p>Seiner Auffassung vom Bauwerk als begehbarerer Skulptur bleibt Calatrava treu. An der Natur lässt der Architekt sich nach eigenen Angaben gerne inspirieren, doch die Körper und Gliedmaßen des modellierten Betons der neuen "Ciutat" haben das menschliche Maß aus den Augen verloren.</p>
<p>Wie eine Ameise fühlt sich, wer in der sengenden Sonne zwischen den blendend weißen Bauten umherläuft. </p>
<p>Es sind weite Strecken leeren Raumes zu durchqueren zwischen dem Hemisféric, das Rundumkino und Planetarium beherbergt und einem überdimensionalen Auge ähnelt, dem riesigem Dinosaurierskelett, beziehungsweise Museum der Wissenschaften, sowie dem Kunstpalast.</p>
<p>Viele Valencianer erinnert er an einen futuristischen Kriegshelm – als Mega-Mutation. Seine Außenhaut soll noch mit glänzenden Kacheln bestückt werden – denn Keramik hat in Valencia eine lange Tradition.</p>
<p>Die Mauren gaben einst die Initialzündung für eine heute noch florierende, kunstvolle Keramikproduktion im nahen Manises und Paterna. Der in der Gegend von Valencia so beliebte Metall-Effekt, die Lüsterkeramik, ist arabischen Ursprungs.</p>
<p>Auch wenn die Hochzeiten valencianischen Kunsthandwerks längst überschritten sind, schmücken heute noch schimmernde Kacheln in Valencia und Umgebung die Kuppeln und Dächer. Die Farbe Blau ist besonders beliebt, denn Blau hat Tradition.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Valencia3.jpg" alt="Auf der Suche nach Keramik in Manises" /></p>
<p>Immerhin sind in der Kleinstadt Manises am rechten Flussufer des Túria noch etwa 30 Prozent der Einwohner in der Keramikproduktion beschäftigt. So wie die Brüder Jesus und Antonio Crimenodios. </p>
<p>"Der Metalleffekt ist eine der schwierigsten Techniken", weiß der 60-jährige Jesus. Er hält einen Teller im Stil des glorreichen 18. Jahrhunderts hoch und lächelt: Die Komposition der Farben sei "Top Secret".</p>
<p>Jesus raucht, während er die einzelnen Arbeitsschritte und Brennungen erklärt. Dann verrät er doch ein bisschen: Elf chemische Komponenten führen zum begehrten Goldschimmer. </p>
<p>Im Zimmer der 37-jährigen Malerin Raquel Navarro, die trotz lang manikürter Fingernägel präzise Striche setzt, macht sich ein penetranter Essiggeruch breit.</p>
<p>Jetzt kennen wir zumindest einen der elf geheimen Bestandteile. "Viele Kunden bestellen Teller oder Vasen im Stil des 16. oder 18. Jahrhunderts", erzählt Jesus.</p>
<p>Und Raquel hat fast alle Muster im Kopf. Bestellen sie eine spezielle Replik aus dem gut ausgestattenen Keramik-Museum von Manises, zieht die Malerin allerdings eine Abbildung hervor.</p>
<p>Was kann man sich Köstlicheres legen auf so einen Keramikteller – mit oder ohne Metallglanz - als eine Paella? Nachdem die unvermeidlichen Mauren auch den Reis ins Abendland gebracht hatten, erfanden die Valencianer die Paella – was eigentlich Pfanne auf valencianisch heißt.</p>
<p>Der typische weiße, kurze Reis kommt ungewaschen in die Pfanne und wurde ungerührt gegart. Man bedenke: Eine Paella ist eine Paella – und nicht einfach eine wilde Mischung aus Reis, Meeresfrüchten und Fleisch!</p>
<p>Auch wenn der Fantasie heute keine Grenzen gesetzt sind – die echte, die ursprüngliche valencianische Paella hat Huhn- und Kaninchenfleisch im Reis. Und Bohnen, drei Sorten von Bohnen: Schnittbohnen sowie grüne und weiße dicke Bohnen. Außerdem Knoblauch, Tomaten, Olivenöl und Gewürze wie Rosmarin und Rosenpaprika.</p>
<p>Das Ganze köchelt so lange, bis der Reis die Flüssigkeit aufgenommen hat. "Die Paella muss sich ausruhen", sagt der Valencianer. Sieben Kilometer vom Zentrum entfernt, in Alfafar-El Salar, schmeckt sie besonders gut.</p>
<p>Im Restaurant "La Matandeta" hat sie jenen typischen Geschmack nach leicht Geräuchertem, denn eine gute Paella gart über echtem Holzfeuer. Der richtige Reis wächst ringsherum, in den bewässerten Feldern des Albufera. </p>
<p>Zwischen Pinien und Dünen schimmert das Wasser der Lagune in der Nachmittagssonne. Reiher stehen im niedrigen Wasser oder heben ab zu einem gemächlichen Flug. Das Meer ist nah, und die Luft riecht nach Salz.</p>
<p>Auch an Valencias Stadtstrand, dem Paseo Marítimo, lässt es sich gut speisen, Fischspezialitäten natürlich und Paella allemal. Und da der valencianischen Kreativität in diesem Punkt keine Grenzen gesetzt sind, gibt es auch Fideuà, eine Paella-Variante mit Nudeln.</p>
<p>Ob safrangolden oder sepiagefärbt - Fideuà lohnt sich immer. So ist es auch kein Wunder, dass schon zur Mittagszeit die Lokale am Strand gefüllt sind. </p>
<p>Vom Traditonsrestaurant "El Pepica" blickt man aufs weite Meer, trinkt einen leicht moussierenden "Deñascal" und blickt bewundernd auf die fertige Nudel-Fisch-Pfanne, die der Kellner präsentiert.</p>
<p>Doch zurück zu den Mauren. Zu ihrem Erbe zählen auch die Erdmandeln. Eine Knolle ist eine Knolle, auch wenn sie klein und mandelähnlich aussieht! Und wer hätte gedacht, dass sich aus einem runzligen Etwas wie einer Erdmandel eine so köstliche, kühle und gehaltvolle Milch entwickeln kann?</p>
<p>Die Valencianer schon. Besonders im Sommer trinken sie am liebsten Horchata. Die aus den Chufas gepresste Milch schmeckt ebenso so süß wie fruchtig-erdig. Viele Proteine und Vitamine verspricht eine Horchata-Verkäuferin lächelnd hinter ihrer fahrbaren Kühl- und Mischmaschine.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Valencia2.jpg" alt="Das nostalgische Valencia: höchste an Dichte an Jugendstilbauten in ganz Spanien" /></p>
<p>Horchata-to-go sozusagen – die kleine Energiespritze für zwischendurch. Mandelmilch trinken die Valencianer natürlich auch gerne in den Cafés. Nur zuviel davon könnte sprichwörtlich in die Hose gehen, denn das gute Getränk wirkt verdauungsfördernd.</p>
<p>Die beste Horchata gibt es natürlich in den traditionsreichen, keramikverzierten Horchaterías, zum Beispiel "Santa Caterina" oder "El Siglo" in der Nähe des Caterina-Turms. Frisch serviert, dazu ein paar warme Fartons, ein längliches Gebäck ideal zum Eintunken – und der Nachmittag ist gerettet.</p>
<p>Glaubt man der Umfrage einer großen spanischen Tageszeitung, so hat Valencia das beste Klima von ganz Spanien. Diese Zahl spricht für sich: 320 Sonnentage. Dazu eine angenehme Luftfeuchtigkeit und leichter Wind. Was will der Valencianer mehr?</p>
<p>Wasser, vor allem Wasser. Regnet es im Frühjahr kräftig, sind die Wassertanks sind gefüllt und die Obstgärten getränkt. Das bedeutet auch: wenig Arbeit für das berühmte Wassergericht von Valencia. Kalif Abderramán III. gründete es vor mehr als tausend Jahren, als eine Moschee an Stelle der gotischen Kathedrale stand.</p>
<p>Just am gleichen Ort tagen heute acht Richter in schwarzen Talaren. Es sind Bauern aus der Huerta, dem Obstgarten Valencias, die sich mit der gerechten Nutzung der Bewässerungsanlagen befassen. </p>
<p>Pünktlich um 12 Uhr sprechen sie jeden Donnerstag Recht, das von niemandem angezweifelt wird. Schließlich ist Wasser ein kostbares Gut, der Río Turia würde ein Lied davon singen. Wenn er denn könnte.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a241ab893641464fbe759e9023e61ca8" width="1" height="1" alt=""/></p>
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		<title>Immer im Rhythmus</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 13:06:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
		<category><![CDATA[Cadiz]]></category>
		<category><![CDATA[Camarón de la Isla]]></category>
		<category><![CDATA[Flamenco]]></category>
		<category><![CDATA[Sevillanas-Kurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Morgen ist die Luft noch frisch, doch der wolkenlose Himmel über dem südwestlichsten Zipfel Spaniens verspricht einen heißen Tag. Wie ein Kopf liegt die weiße Altstadt von Cádiz im Atlantik. Bis auf eine schmale Landbrücke schließt das Meer die Stadt von allen Seiten ein. Egal, in welche Richtung man Cádiz durchquert, immer wieder landet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Morgen ist die Luft noch frisch, doch der wolkenlose Himmel über dem südwestlichsten Zipfel Spaniens verspricht einen heißen Tag. </p>
<p>Wie ein Kopf liegt die weiße Altstadt von Cádiz im Atlantik. Bis auf eine schmale Landbrücke schließt das Meer die Stadt von allen Seiten ein.</p>
<p>Egal, in welche Richtung man Cádiz durchquert, immer wieder landet man vor dem Blau des Ozeans, immer wieder hört man das Rauchen der Brandung, während der Wind scheinbar unaufhörlich vom Ozean her durch die Stadt fegt.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Cadiz2.jpg" alt="Über den Dächern von Cadiz" /></p>
<p>Eine Art Energie, eine Melodie liegt hörbar und fühlbar über der Stadt: Es ist der Rhythmus Südspaniens, der nur hier aus einer bestimmten multikulturellen Mischung heraus entstehen konnte.</p>
<p>Hier in Andalusien, wo byzantinische, mozarabische und jüdische Klänge auf die Klagelieder der Zigeuner trafen. Genau hier entstand die Melodie des Leidens, der Rhythmus der Leidenschaft. Es entstand der Flamenco.</p>
<p>"Escuela de danza Cibayi" steht in großen Lettern am Eingang der Tanzschule in Cádiz. "Uno y dos - tatí tatí tatám... " Innerhalb der weißgetünchten Mauern, vor dem großen Spiegel starren alle gebannt auf Charo Cruz. "Tatatám - tatí tatí tatám... "</p>
<p>Charo gibt den Rhythmus vor, sie ist die Chefin. Mit Power. Denn Flamenco bedeutet vor allem eins: Energie. "Es ist ein Dreiviertel-Takt, der sich über vier Coplas erstreckt", erklärt Charo auf spanisch. </p>
<p>Wobei Coplas die Strophen, die Einheiten der Choreografie sind. Es geht um die Sevillanas, die folkloristische Variante des Flamenco.</p>
<p>Gut geeignet für Einsteiger. Wir stellen rasch fest: Anders als beim richtigen Flamenco sind die Drehungen und Seitenwechsel genau festgelegt. Denn die Sevillanas werden mit einem Partner getanzt.</p>
<p>Stehen sich Mann und Frau dabei gegenüber, kann es unter Umständen ganz schön knistern vor Spannung. Das ist in unserer Frauengruppe mit Quoten-Mann eher nicht der Fall. Dafür wird viel gelacht, hauptsächlich über die eigene Geschicklichkeit, Eleganz und Ausdrucksstärke.</p>
<p>Wenn die Andalusier zu ihren berühmten Ferias gehen, tanzen sie Tag und Nacht. Aber nur Sevillanas. Die Frauen wirbeln dabei auch mal gerne zehn Kilo schweren Rüschenkleidern herum. </p>
<p>Doch zum Üben in der Tanzschule reichen erst mal T-Shirt und Jeans. Was anderes trägt Charo in ihren Unterrichtsstunden nämlich auch nicht.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Cadiz.jpg" alt="Flamencolehrerin Charo mit Hund Kika" /></p>
<p>Etwas ist allerdings wichtig: festes Schuhwerk. Charo steppt natürlich mit richtigen Flamenco-Schuhen. Die haben viele Vorteile beim Tanzen. </p>
<p>Eine gewisse Absatzhöhe, die zu der stolzen Körperhaltung beiträgt, eine Ledersohle, damit es sich schnell und leicht dreht, ein paar Nägel unter dem Absatz, damit der Sound, nennen wir es mal Fuß-Percussion, auch schön knallt.</p>
<p>Bei den ersten Schritten der Sevillanas-Choreografie wirken alle etwas ungelenk. Charo redet, singt, korrigiert, erklärt wieder und wieder, führt die Schritte vor, bis es auch der Letzte es kapiert hat.</p>
<p>"Uno y dos, tatí tatí tatám... " Der Rhythmus geht ins Ohr und irgendwann ins Blut - dann sitzen die Schritte endlich.</p>
<p>Wenn sich der Blick von Charos Füßen löst, hat man es geschafft. Das ist auch der richtige Zeitpunkt für das reelle Tempo. Denn die Sevillanas sind schnell, sie versprühen und verbrauchen Energie, sie bringen das Blut in Wallung und den Körper zum Schwitzen.</p>
<p>Charo ist über 40, sie tanzt schon lange. Einer der magischen Momente in ihrem Leben war, als sie Camarón de la Isla hörte. Charo war noch keine 18, als es passierte. </p>
<p>Wie der berühmte, bereits verstorbene Flamenco-Sänger stammt Charo aus San Fernando, einem kleinen Ort in der Nähe von Cádiz, den die Bewohner auch gerne "La Isla" nennen.</p>
<p>Dort hörte sie ihn live, den großen Camarón, der so viele in seinen Bann zog. Camarón de la Isla, der den Flamenco revolutionierte. "Er war ein einfacher, schüchterner Mensch", sagt heute sein Bruder Manuel Monge Cruz.</p>
<p>So einfach wie Camaróns richtiger Name: José Monge Cruz. Doch mit seinem Gesang hat er die Leute tief in ihrem Inneren berührt.</p>
<p>Sein Grab in San Fernando ist heute eine Pilgerstätte. Jeden Tag kommt sein Bruder her, poliert die schwarze Granitarchitektur, die sich von den einfachen weißen Gräbern ringsherum nicht nur durch die Farbe sondern auch durch die Monumentalität unterscheidet. </p>
<p>Wenn Manuel von seinem Bruder spricht, tut er das leise und ernst. Viel zu früh sei Camarón gestorben, an Lungenkrebs, mit gerade mal 42 Jahren. </p>
<p>Die ihm gewidmete Peña Flamenca in San Fernando, ein Lokal für Freunde und Förderer des Flamenco, zeigt ein Foto vom blonden Jungen José, der mit wachen Augen in die Ferne blickt. </p>
<p>Es strahlt eine Intensität aus, die sich in seinem Gesang widerspiegelt. Es war das, was Charo Cruz erreicht hat, und was ihren weiteren Lebensweg bestimmt hat.</p>
<p>Von da an ging alles ganz schnell. Mit 18 verließ Charo das beschauliche San Fernando und hatte Glück in Sevilla: Sie wurde entdeckt. "Das Aussehen spielt eine Rolle", hat sie damals erfahren. Denn ihr Entdecker hat ihr das Talent angesehen.</p>
<p>Oder besser: Das Temperament steht ihr ins Gesicht geschrieben. "Ich bin kein sanfter Mensch", weiß Charo. Nein, sie platze förmlich vor Energie.</p>
<p>Deswegen ist Flamenco auch ein gutes Ventil: "Bei allen Arten von Tanz kann ich mich entspannen - doch beim Flamenco kommt Kraft heraus!"</p>
<p>Es ist eine Mischung aus Konzentration, Anspannung und Austoben, das merkt jeder Neuling schon bei der strengen Sevillanas-Choregrafie, der stolzen Körperhaltung, der Koordination von Armen und Beinen, bei den zackigen Bewegungen und dem Aufstampfen.</p>
<p>Inzwischen ist es warm geworden - Mittagszeit in Cádiz. Kika, Charos kleine Promenadenmischung, springt aus ihrem Sessel und läuft zu Charo auf die Tanzfläche. Das bedeutet: Ende der Tanzstunde! "Das macht sie immer." </p>
<p>Charo lacht und empfiehlt uns ein Restaurant an der Plaza de San Antonio. Es ist klein aber fein, und die Karte birst vor typischen Gerichten der Region wie zum Beispiel der Kichererbsen-Eintopf mit Mangold. "Als Vorspeise müsst ihr unbedingt die Tortitas con camarones probieren", meint Charo. </p>
<p>Kleine, flache Spezial-Tortillas also, denen Babyshrimps eingebacken sind. Und wie die Legende sagt, hat die Erfinderin María Picardo sie Camarón de la Isla gewidmet, dessen Kunst sie förderte. Denn Camarón kommt von camarones, dessen Hautfarbe er angeblich hatte.</p>
<p>Nach dem Mittagessen laufen wir zum Torre Tavira, einer der über 120 noch erhaltenen Händlertürme von Cádiz. </p>
<p>Der Vorteil dieser Türme: Man hat nicht nur einen prächtigen Ausblick auf die weiße Stadt, die sich wie ein abstraktes Muster aus geometrischen Formen ausbreitet, sondern sieht auch, wie das Meer die Stadt umarmt.</p>
<p>Es waren Händler, auch aus Syrien, Griechenland, Italien und Frankreich, die hier im 18. Jahrhundert nach Schiffen aus Lateinamerika Ausschau hielten. Je höher der Turm, desto weiter konnten sie sehen, der Rest ist Prestigesache. </p>
<p>Cádiz entwickelte sich weiter, so wie der Flamenco, denn es wurden nicht nur Waren, sondern auch Kulturgut ausgetauscht: "Los cantos de ida y vuelta", die Gesänge der Hin- und Rückfahrt prägten die Stadt am Meer.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Cadiz3.jpg" alt="Patio in Jerez de la Frontera" /></p>
<p>Heute sind die Touristen, die Cádiz einen internationalen Touch geben. Wir, die wir neben den Einheimischen in den Straßencafés sitzen und Café con leche bestellen. Oder einen Fino als Aperitif zu den Tapas. Ohne Flamenco und Fino keine Fiesta, das hat man uns schon beigebracht.</p>
<p>Der Fino kommt eigentlich aus Jerez de la Frontera, etwa 40 Kilometer von Cádiz entfernt im Landesinnern. Es ist der helle, zarteste Sherry, der Feine. Dunkle, muffelnde Weinkeller mit Schimmel an den Decken hüten das Geheimnis des Sherrys.</p>
<p>Hier reift der Fino in fünf Jahren aus Palomino-Trauben heran. In einem dynamischen Prozess werden verschiedene Altersstufen gemischt - der Wein verliert sein Alter.</p>
<p>Wer in den großen Bodegas umherwandelt, findet sich in einem Mikrokosmos aus Fässern und Flaschen wieder. Der Stadt steht ins Gesicht geschrieben, wer den Wohlstand in Jerez de la Frontera manifestiert hat - es sind die großen Sherry-Barone.</p>
<p>Doch Jerez gilt auch als Herz der Flamenco-Route, insbesondere das Gitarrenspiel konnte sich hier weiterentwickeln. In den Flamenco-Vierteln Santiago und San Miguel spürt man die Energie, in den Lokalen, in den Peñas, in den Tabernas und Tablaos.</p>
<p>Einst hießen sie "cafés cantantes", in denen Leute wie Camarón de la Isla oder Paco de Lucia auftraten, der den Sänger oftmals mit der Gitarre begleitet hat. Wer die Darstellung von Stolz und Temperament, Trauer und Wut, Erotik und Provokation, Stärke und Leidenschaft sucht, wird heute in den Tablaos fündig.</p>
<p>Zum Beispiel in "El Lagá de Tío Parilla" an der palmenbestückten Plaza Becerra. Zu andalusischen Tapas gibt es Wein, Weib und Gesang, sprich: vibrierenden Flamenco-Cante mit Gitarrenbegleitung vom Eigentümer höchstpersönlich, zu dessen Klängen die Tänzerinnen ganz unterschiedliche Ausdrucksformen finden.</p>
<p>Eines fällt uns auf: Die Intensität des Ausdrucks scheint mit dem Alter zuzunehmen. </p>
<p>Kenner, wahre Aficionados, sollten unbedingt einen Abstecher ins Centro Andaluz de Flamenco auf der Plaza de San Juan machen. Interessiert stöbern auch wir in dem schönen Palacio de Pemartín, hören und forschen. </p>
<p>Im Dokumentationszentrum sammelt der Leiter Paco Benavent einfach alles, alte und neue Aufnahmen, Andenken aus dem Nachlass verstorbener Künstler, Bilder, Flamencokleider aus allen Epochen.</p>
<p>Das Centro organisiert Ausstellungen und Events. Besonders beliebt sind die Gesangs- und Gitarren-Darbietungen in den Sommermonaten: Umsonst kann im schönen Patio des Palacio zuhören, wer noch reinpasst. </p>
<p>Paco hat zwar mehr als 20 Jahre seines Lebens im Zentrum verbracht, doch selber singt und spielt er nicht. "Ich kann nur klatschen", gibt er lächelnd zu. Doch schon das Klatschen ist beim Flamenco eine Kunst.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/be40df0a8468406882383cf124acc9c2" width="1" height="1" alt=""/></p>
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		<title>Wiedergeburt eines Dorfes</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 09:04:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Pirineos Sur]]></category>
		<category><![CDATA[Pyrenäen]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer kennt Lanuza? Bestimmt ein paar Worldmusicfans oder Wanderer. Auf der Durchgangsstraße von Zaragoza nach Frankreich erscheint der kleine Ort mit seinen alten Steinarchitekturen wie aus dem Berg heraus gemeißelt. Die Häuser spiegeln sich im blauen See, umarmt von der imposanten Gebirgswelt. Bis zu 3000 Meter hoch umranden die Gipfel das Tena-Tal, in dessen Mikroklima [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer kennt Lanuza? Bestimmt ein paar Worldmusicfans oder Wanderer. </p>
<p>Auf der Durchgangsstraße von Zaragoza nach Frankreich erscheint der kleine Ort mit seinen alten Steinarchitekturen wie aus dem Berg heraus gemeißelt. </p>
<p>Die Häuser spiegeln sich im blauen See, umarmt von der imposanten Gebirgswelt. Bis zu 3000 Meter hoch umranden die Gipfel das Tena-Tal, in dessen Mikroklima alles wächst und gedeiht.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Lanuza.jpg" alt="Sommer in Lanuza: auf zum Wordmusic Festival "Pirineos Sur"" /></p>
<p>Am Ufer vor dem 166 Quadratmeter großen, schillernden Wasserspiegel heizen jedes Jahr im Juli die Weltmusiker ein. Jeden Sommer geben sich hochkarätige Gruppen die Klinke in die Hand, Bands wie Los de Abajo oder Pantheon Rococo, Stars wie Rachid Taha oder Oumou Sangaré.</p>
<p>Das Festival "Pirineos Sur" zählt zu den drei wichtigsten seiner Art in ganz Europa. Neben dem Programm ist vor allem die Szenerie bei dem jungen oder junggebliebenen Szene-Publikum sehr beliebt. </p>
<p>Zwar wird es nach Sonnenuntergang recht frisch im Tena-Tal, doch die Bühne auf Stelzen im Stausee und rundherum das funkelnde Sternenzelt über den Gipfeln sind etwaiges Frieren wert.</p>
<p>Nach der Show treibt es viele zum Aufwärmen und Abtanzen in die "Disco Global" des Nachbarorts – allerdings nur während der Festivaltage. </p>
<p>Nur weil sich noch einige Angebote von "Pirineos Sur" auch auf Sallent de Gallego verteilen, platzt Lanuza nicht aus allen Nähten. Die meisten verlassen das Dorf nach den Konzerten wieder.</p>
<p>Wo die Festival-Besucher vor einigen Jahren noch durch eine bizarre Geisterstadt gelaufen aind, deren Häuser an der tiefsten Stelle ihre Füße, sprich die Fundamente, in den See steckten, hat sich die Lage nun gründlich geändert.</p>
<p>Geranien auf Balkonen, frisch gedeckte Schieferdächer, emsig werkelnde Menschen in den Gassen. Auch die Glocke der Kirche El Salvador aus dem 14. Jahrhundert läutet wieder. Das Dorf auf 1 265 Metern Höhe scheint wie wachgeküsst aus einem längeren Dornröschenschlaf.</p>
<p>Nicht die Landflucht der 60er und 70er Jahre war Schuld am Exodus. Die 147 ehemaligen Bewohner mussten ihre Häuser am Ufer des Río Gallego den Stromerzeugern übereignen, weil genau an jener idyllischen Stelle zwischen Fluss und Bergpanorama ein Stausee wachsen sollte. </p>
<p>Also luden sie ihre Habseligkeiten und ihr Vieh schweren Herzens auf die Wagen; die Letzten ließen im Winter des Jahres 1976 nichts als ihre Fußabdrücke im Schnee.</p>
<p>Fast drei Jahrzehnte lang nagte der Zahn der Zeit am Mauerwerk der etwa 30 Häuser, die zuvor alle einen Namen trugen. Das bis 1980 steigende Wasser, das die Häuser doch nicht überschwemmte, drückte um so schwerer auf die Gemüter der Ausgewanderten, die es in die Städte der Region verschlagen hatte, nach Sabinigo, Huesca, Zaragoza.</p>
<p>Da sich der Stausee nicht so stark wie erwartet ausdehnte, blieb der größte Teil des Dorfes intakt. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Lanuza2.jpg" alt="Wanderung im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido" /></p>
<p>Fast drei Jahrzehnte nach dem Exodus schlossen sich die ehemaligen Einwohner in der "Asociación de Vecinos de Lanuza" zusammen, um hartnäckig mit den Betreibern des Stausees, der "Confederación Hidrografica del Ebro", über die Rückgabe der Häuser und Hilfe zum Wiederaufbau zu verhandeln.</p>
<p>Es funktionierte. "Einfach großartig, zu seinen Wurzeln zurückzugehen!" Marian, 39, spricht für alle. Nach 28 Jahren konnte sie an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren. </p>
<p>Sie und ihre Geschwister waren noch jung, als sie Lanuza verließen, doch die Erinnerung an glückliche Kindheitsjahre nahmen sie mit. In Huesca wuchsen sie heran und heirateten.</p>
<p>Seit einigen Jahren betreibt Marian mit ihrem Mann das einzige Hotel von Lanuza, das die Geschwister zusammen aufgebaut haben. "Schade nur, dass der Großvater das fertige Haus nicht mehr sehen konnte, das an der Stelle seines Bauernhofs entstanden ist. Er wäre stolz gewesen." So wie Marians Eltern es sind.</p>
<p>Während im Juli die Festivaltouristen das Seeufer bevölkern, werkeln die Lanuzaner in vielen Häusern. Sie kommen hauptsächlich an den Wochenenden und in den Ferien. So waren Marian und ihr Mann zunächst die einzigen, die fest in Lanuza angesiedelt haben.</p>
<p>Von außen sieht ihr Hotel so aus wie die anderen Häuser des Ortes, gebaut aus den einfachen Materialien der Gegend: Holz, beigegrauer Stein und Schiefer. Außen Tradition, innen avantgardistisches Design. </p>
<p>Jedes der zehn Zimmer ist einem Schriftsteller gewidmet, darunter Garcia Marquez, Allende, Benedetti, Delibes. Der Blick auf den einst so verhassten See inklusive.</p>
<p>Heute schimmert das Wasser des Stausees in arglosen Türkistönen und lädt zum Segeln und Rudern ein. Naturliebhaber und Aktivtouristen kommen beim Wandern und Bergsteigen in den spektakulären Canyons des nahen Nationalparks Ordesa y Monte Perdido auf ihre Kosten.</p>
<p>Canonying, Rafting, Reiten, Mountainbiking runden das Angebot der Gegend ab. Mal ganz abgesehen vom Skifahren im Winter: Rund um die Station Formigal wuchs ein eigener Ort bestehend aus Hotels, Restaurants und Geschäften.</p>
<p>Auch Lanuza wächst. Sogar ein paar junge Argentinier haben sich in den Ort verliebt und eine Wohnung gemietet. "In nicht allzu weiter Ferne wird Lanuza wieder ein lebhaftes Dorf sein", freut sich Marian über die Entwicklung ihrer Heimat. Und das nicht nur im Juli zur Festivalzeit.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/03c28b43dab34fdc85b31fb1acb1105e" width="1" height="1" alt=""> </p>
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		<title>Das etruskische Lächeln</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Jan 2011 16:35:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Bolsena]]></category>
		<category><![CDATA[Etrusker]]></category>
		<category><![CDATA[Isola Bisentina]]></category>
		<category><![CDATA[Sbroscia]]></category>
		<category><![CDATA[Tuscia]]></category>

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		<description><![CDATA[Es liegt eine Ruhe über Bolsena, eine satte Ruhe. Das Kopfsteinpflaster ausgewaschen vom nächtlichen Regen, der Atem des Morgens frisch. Nicht weit von Maria-Rita Provinciali's Schmuckwarengeschäft klopft der See leise plätschernd an die Uferpromenade. "Die Tuscia ist heute wie gestern. Es hat sich seit den Etruskern nicht viel verändert", meint die Schmuckdesignerin mit ernster Miene, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es liegt eine Ruhe über Bolsena, eine satte Ruhe. Das Kopfsteinpflaster ausgewaschen vom nächtlichen Regen, der Atem des Morgens frisch. </p>
<p>Nicht weit von Maria-Rita Provinciali's Schmuckwarengeschäft klopft der See leise plätschernd an die Uferpromenade.</p>
<p>"Die Tuscia ist heute wie gestern. Es hat sich seit den Etruskern nicht viel verändert", meint die Schmuckdesignerin mit ernster Miene, und niemand im Raum widerspricht.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Tuscia.jpg" alt="Der Lago di Bolsena mit der Isola Bisentina" /></p>
<p>In der Auslage blinken handgearbeitete, edle Stücke, Silberkern mit Blattgold, sehr filigran. Schon seit 45 Jahren ziehen die Etrusker und ihr Schmuck die Signora Provinciali in ihren Bann.</p>
<p>Stundenlang könnte sie darüber reden, so wie sie ihn früher geformt hat, jenen zartgliedrigen, feinen Schmuck. Allein ihre Hände machen heute nicht mehr mit. Hier, im nördlichen Latium, spricht man auch von der Tuscia. </p>
<p>Ein Begriff, der sich schon zu römischen Zeiten herausbildete: Augustus deklinierte aus dem eroberten Etrurien die Verwaltungseinheiten Toscana, Tuscia und Umbria.</p>
<p>Heute versteht sich die Tuscia vielmehr als Kulturlandschaft, zu der auch angrenzende Teile der Regionen Toskana und Umbrien zählen. Das alte Etruskerkernland also: vulkanischen Ursprungs mit sanft geschwungenen Hügellinien, ein fruchtbares Land mit mildem Klima.</p>
<p>Wen mag es da wundern, dass sich der etruskische Offenbarungsmythos auf agrarischer Ebene abspielte. "In Tarquinia, der nach etruskischer Überlieferung ältesten Stadt, soll ein Bauer namens Tarchon ein menschliches Wesen aus dem Erdboden gepflügt haben ...</p>
<p>Dieses Erdwesen, Tages genannt, soll dem herbeieilenden etruskischen Lukumo (König) religiöse Offenbarungen vermittelt haben, die aufgezeichnet wurden und als Basis der etruskischen Disziplin dienten", schreibt der Tübinger Etruskologe Friedhelm Prayon.</p>
<p>Damals wie heute prägt die Landwirtschaft die Tuscia, immer noch werden Getreide, Wein und Oliven angebaut. Spuren der Etrusker finden sich auf Schritt und Tritt, viele Städte der Tuscia sind etruskischen Ursprungs. </p>
<p>So enthüllt zum Beispiel der moderne Palazzo del Popolo in Orvieto, dem antiken Volsinii, große freigelegte Steinquader in seinem Innern.</p>
<p>Ein historisches Bewusstsein, das sich nicht allerorts findet. "Es gibt eine enorme Ignoranz der Leute hier, was die Etrusker betrifft", meint Maria-Rita Provinciali.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Tuscia2.jpg" alt="Typisch Tuscia: vorbeiziehende Schafe" /></p>
<p>So kursiert etwa die Geschichte eines Bauern, die zunächst an den etruskischen Mythos erinnert, dann aber die entgegengesetzte Richtung nimmt.</p>
<p>Unter seinem Acker fand der Mann etwas, das ihn erschrak. Kein Erdwesen, sondern archäologische Fundstücke. Rasch schüttete er alles wieder zu – aus Angst vorm Zugriff der Fachleute. </p>
<p>Ohnehin wird das Leben von der traditionellen Landwirtschaft und dem Fischfang in der Region immer schwieriger.</p>
<p>In der Nähe des neo-etruskischen Schmuckladens in Bolsena hockt der junge Marcello Bruti in seinem Internetgeschäft, während seine Eltern Teresa und Mario auf ihren Feldern am See arbeiten. Direkt aus dem Lago leiten sie das Wasser auf ihre Äcker, alles wächst und gedeiht prächtig.</p>
<p>Doch niemand lohnt ihnen angemessen die harte Arbeit, die sie lieben. Und wer wird in ihre Fussstapfen treten? Marcello jedenfalls nicht. </p>
<p>"Hilfskräfte sind schwer zu bekommen, die Arbeit ist teuer, der Preis für unsere Erzeugnisse niedrig", jammert Teresa, während ihr Mann einem Freund bei der Olivenernte hilft. Eine Hand wäscht die andere, und Familie Bruti ist kein Einzelfall.</p>
<p>Etwas rumort, etwas ändert sich in der scheinbar satten Ruhe am Bolsenasee: Der Tourismus ist eingezogen. Ein sanfter Tourismus allerdings. Familien mit Kindern kommen her, ruhesuchende Singles, Pärchen, Agrotourismus-Fans.</p>
<p>Also haben Marcellos Eltern investiert, gefördert vom Staat und der EU, und Appartements auf ihrem Grundstück errichtet, plus Swimming-Pool.</p>
<p>Dabei liegt der Bolsenasee vor der Nase, die Kinder der Gäste können durch die Olivenhaine laufen, vorbei an den Kartoffeln, Paprika, Tomatengewächsen und unten in den glasklaren See springen, dessen Wasser früher von den Fischern gleich "mitgeangelt" wurde - für die Suppe.</p>
<p>Maria-Rita Provinciali hält ein kleines Boot in ihrer Hand, vergoldet, filigran. "Damit fuhren die Etrusker ihre Toten ins nächste Leben", erzählt sie. Es ist das gleiche Modell, mit dem Paolo "il Pescatore" jede Nacht auf den See hinaus fährt. Paolo der Fischer, wohnhaft am See mit Frau und zugelaufenen Katzen.</p>
<p>Paolo, der "Sbroscia" für seine Gäste kocht, die Fischsuppe, die keine Suppe ist, da das geröstete Brot darin die Brühe fast aufsaugt. Paolo, dessen Augen strahlen, wenn er seine herzhafte Kreation serviert: </p>
<p>"Alles kommt fangfrisch aus dem See, Schleie, Aal, Hecht, Barsch und ganz am Ende der wichtigste Fisch des Lago di Bolsena: die Maräne."</p>
<p>Das alles holt Paolo an guten Tagen aus dem See, mit jener etruskischen Bootkonstruktion – vorne schmal, um die Wellen des Sees zu durchschneiden, hinten breit und stabil, eine ideale Arbeitsfläche für den Fischer. Den Fang filetiert und verkauft er, der Rest kommt in die Suppe. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Tuscia1.jpg" alt="Paolo, Fischer am Bolsena-See und Experte für Sbroscia" /></p>
<p>"Niemals ohne Mentuccia!" Paolo schnuppert an einem Zweig der Wilden Minze und gibt ihn den Freunden, bevor er anfängt, die "Sbroscia" zu löffeln, unter dem Schilfdach am See.</p>
<p>Weiter draußen lebt Mario, der Wächter der "Isola Bisentina", mutterseelenallein mit zwei Hunden. Ab und an kommt eine Gruppe von Touristen auf die Insel, Eigentum der römischen Principessa Maria Angelica del Drago.</p>
<p>Felder von lila blühender "Mentuccia" überziehen das Kleinod, ein verwunschenes Stück Land. Inmitten des Sees herrscht ein anderes Mikroklima, es ist ein paar Grad wärmer, und die Vegetation typisch mediterran. </p>
<p>Wilde Olivenbäume zwischen Steineichen, Agaven, Feigenbäumen. Und irgendwie fühlt jeder Besucher der Bisentina ihre Besonderheit, die Magie des Ortes.</p>
<p>Die Etrusker haben kaum sichtbare Spuren hinterlassen, und doch ist eines gewiss: Der Lago di Bolsena mit der Isola Bisentina hatte kultische Bedeutung - so wie alle Seen des alten Etruriens, der Vico, Trasimeno, Bracciano. </p>
<p>So bleibt der Raum für Spekulationen groß, gab es doch bereits Theorien über die "Vie Cave", unterirdische Verbindungen etruskischer Städte und ihrer Nekropolen: Die "Vie Cave" ergäben scheinbar ein geometrisches Muster, in dessen Zentrum die Isola Bisentina läge.</p>
<p>Besser ist die Beweislage in Sachen Pasta - dank eines etruskischen Grabreliefs aus Cerveteri. Ein Nudelholz ist dort zu erkennen, und sogar ein gezahntes Rädchen zum Schneiden der Pasta. </p>
<p>Nonna Liliana auf ihrem Bauernhof mit Blick auf den Bolsenasee hat heutzutage allerdings andere Methoden bei der Nudelherstellung.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Tuscia3.jpg" alt="Die flinken Hände der Nonna Liliana" /></p>
<p>Mit geübten Griffen kneten ihre kräftigen Hände den Teig aus Eiern und Mehl aus der Mühle des nahen Montefiascone. "Man muss ihn ausarbeiten", sagt sie, lacht und wirft den Teig mit hörbarem Klatschen gegen das Holzbrett. </p>
<p>"Ich fühle es unter den Händen, wenn er glatt ist." Lilianas Nudelholz ist eine Art längerer Holzstock, sie rollt und rollt und rollt. Ihr Mann kommt herbei und bringt die "Chitarra", das Wunderwerk für Tagliatelle.</p>
<p>Liliana hat das Gerät von ihrer Schwester aus den Abruzzen und wenn sie daran zupft, bringt es tatsächlich gitarrenähnliche Geräusche hervor. Liliana rollt den flachen Teig darüber, und siehe da, er wird zu Tagliatelle.</p>
<p>Was im nahen Umbrien am Vorabend von Heiligabend auf den Tisch kommt, ist eigentlich ein etruskisches Rezept: "maccheroni con le noci", Nudeln mit einer Soße aus Walnüssen, Honig, Paniermehl und Salz. </p>
<p>Mit Sicherheit aßen die Etrusker auch Schweinefleisch, sie zogen einen rustikalen, schwarz-weißen Typ heran, der ihnen von den Römern gerne abgekauft wurde.</p>
<p>Diese Sorte mit dem heutigen Namen Cinta Senese ist in der Toskana von einem Konsorzium mit strengen Auflagen geschützt. Wer wie der Römer Paolo Zaccardi mit der Cinta Senese liebäugelt, tut sich schwer. </p>
<p>Zaccardi hat seinen gutbezahlten Job als Ingenieur an den Nagel gehängt, um fröhliche Bio-Schweine zu züchten.</p>
<p>10 Kilometer von Orvieto, bei Morrano, leben Muttertiere mit ihren Ferkeln in ordentlichen Reihenhäuschen mit Vorgarten, während die übrigen Schweine grunzend und zum Teil im Galopp durchs Areal sausen. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Tuscia5.jpg" alt="Glückliche Bio-Schweine nahe Orvieto" /></p>
<p>Es geht also auch ohne Cinta Senese. Auf 240 Tiere kommen 100 Hektar Fläche, Wiese, Wald und Olivenhain - langweilig wird es dort nie.</p>
<p>An diesem Morgen steigen Nebelschwaden aus den Tälern auf, und Paolo Zaccardi weiß, er hat mit dem Landstück einen Glücksgriff getan. Ein paar Schinken baumeln in seinem Weinkeller, denn wie fast jeder in der Tuscia baut er Wein und Oliven für den Eigenbedarf an.</p>
<p>"Wäre doch interessant, wenn der Schinken ein bisschen vom Geschmack des Weines annehmen würde!" Zaccardi strahlt, und es ist ein inneres Strahlen, hat er sich doch in der Tuscia einen Traum verwirklicht.</p>
<p>Das etruskische Lächeln hat den Schriftsteller José Luis Sampedro zu einem ganzen Roman inspiriert, das Lächeln eines etruskischen Ehepaares auf dem Terrakotta-Sarkophag im römischen Museum Villa Giulia.</p>
<p>Nahmen sie den Tod leichter, weil sie das Leben als Zwischenstopp begriffen? Oder ging es ihnen einfach gut auf Erden? Ein gewisser Wohlstand war ihnen zumindest beschienen, auch durch den Export von Wein, Amphoren und hochwertiger Tonware.</p>
<p>Noch heute gilt die Gegend bei Castelviscardo als Hochburg der Terrakotta-Produktion. "Nicht mal die Florentiner mögen ihren Rotton noch", sagt Domenico Fedeli grinsend. Zur Zeit ist das Zartrosa der Tuscia sehr angesagt. </p>
<p>Den Lehm bauen seine Leute gleich hinter dem Haus ab, er ist reich an Aluminium, was die Farbe ausmacht.</p>
<p>Vasco Rossi singt im Radio, während die Männer den gebrannten "Cotto artigianale" aus dem unterirdischen Ofen in einer Kette nach oben weiter reichen.</p>
<p>Die Platten sehen im fertigen Zustand antik aus, deswegen werden sie oft zur Restaurierung alter Bauernhäuser und Palazzi verlegt. So hat Fedeli unter anderem eben jene Villa Giulia in Rom restauriert.</p>
<p>Ein Museum, das auch die Schmuckdesignerin aus Bolsena gut kennt. Leichter, filigraner Schmuck, Terracotta, Natürlichkeit in den Kunstformen, inspirierendes Lächeln ... </p>
<p>"Das Etruskische ist so modern, dass es aktuell ist", lautet die Provincialische These. Dann ist die Tuscia also doch nicht von gestern.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/bff71c3a72c645708056ba541389b793" width="1" height="1" alt=""/></p>
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		<title>Der Duft der Steinpilze</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 08:09:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Agrotourismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Die ganze Woche hat es geregnet, und das ist außergewöhnlich. Doch Sante geht auch bei Regen in seinen Wald. Als seine Frau Maria Grazia und er das Grundstück des Agriturismo Valle del Tione in der Nähe des Bolsena-Sees gekauft hatten, mussten sie den Wald erst einmal entrümpeln. Für Sante völlig unverständlich, wie sich soviel Müll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ganze Woche hat es geregnet, und das ist außergewöhnlich. Doch Sante geht auch bei Regen in seinen Wald. </p>
<p>Als seine Frau Maria Grazia und er das Grundstück des Agriturismo Valle del Tione in der Nähe des Bolsena-Sees gekauft hatten, mussten sie den Wald erst einmal entrümpeln. </p>
<p>Für Sante völlig unverständlich, wie sich soviel Müll ansammeln konnte. Er achtet den Wald: "Ich klopfe jedes Mal an, wenn ich eintreten will." </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Umbrien.jpg" alt="Trocknen der Steinpilze in Valle del Tione" /></p>
<p>Maria Grazia und ihr Mann taten, was sie tun mussten: Für einige Jahre überließen sie den Wald sich selbst. </p>
<p>Ihre Mühe und Engelsgeduld wurden belohnt, denn nun gedeihen im Unterholz die prächtigsten Steinpilze, und das in rauen Mengen. "Sie riechen so intensiv, viel besser als die aus dem Apennin!", sagt Sante nicht ohne Stolz. </p>
<p>Mitten auf dem Land, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, hat das Paar mittleren Alters investiert - dabei war das Gehöft aus dem 18. Jahrhundert restaurierungsbedürftig. </p>
<p>Sante und Maria Grazia wollen nicht irgendwie renovieren, alles sollte so originalgetreu wie möglich werden. Die alten Materialien waren schwer zu ergattern, doch sie fanden sogar zwei Türen aus der gleichen Zeit.</p>
<p>Das Ergebnis lässt sich herzeigen: Warme Terracotta-Fußböden harmonieren mit den Balken aus dunklem Walnussholz, Fragmente aus vergangener Zeit sind wie Museumsstücke in die Wände des Speisesaals eingelassen, oberhalb des langestreckten ehemaligen Waschbeckens. </p>
<p>Im offenen Feuer knistern die Holzscheite und verbreiten wohltuende Wärme im Kampf gegen die Feuchtigkeit. Doch Santes Prognosen sind gut: In den kommenden Tagen wird sich die Sonne wieder zeigen, bleibt sie doch den römischen Breitengraden nie lange fern. </p>
<p>Sante werkelt in der Küche und erscheint mit einem "Carpaccio Funghi Porcini". Ein bisschen Öl und Parmesan reichen den aromatischen Steinpilzen und Sante, um eine kleine Köstlichkeit zu zaubern. </p>
<p>Rustikales Brot brutzelt über den glimmenden Holzscheiten des Steinofens, mit ein paar Tropfen Olivenöl und etwas Knoblauch wird eine Bruschetta daraus. Es gibt kaum jemanden, hier in der Tuscia, dem alten Etruskerland, der ein Stück Land besitzt und seinen Wein und sein Olivenöl nicht selbst macht.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Umbrien2.jpg" alt="Maria Grazia und Sante vom Agriturismo Valle del Tione" /></p>
<p>"Unsere Küche ist einfach", erzählt Sante. Und doch ist sie raffiniert. Raffiniert wie die selbstgemachten Gnocchi, deren Teig lange mit bloßen Händen und Nudelholz bearbeitet werden muss. </p>
<p>Deren Konsistenz man erfühlen muss. Raffiniert wie die Fischsuppe "Sbroscia", einer Spezialität des Bolsena-Sees. Was wäre eine gute "Sbroscia" ohne den Coregone, den Schleyenfisch, ohne die wilde Minze und einen Lieblingstopf?</p>
<p>Stachelschweine, Hasen und Fasane haben Maria Grazia und Sante in dem 800 Hektar großen Park des Valle del Tione schon gesehen. "Er ist vor der Jagd geschützt", sagt Sante. Denn es war die Liebe zur Natur und den Tieren, die das Paar ihren Job wechseln und sie hier investieren ließ. </p>
<p>Am nächsten Morgen wirft die Sonne ihre warmen Strahlen auf das Anwesen. Maria Grazia hat die reichliche Steinpilzernte auf einem Tisch hinterm Haus zum Trocknen ausgebreitet. </p>
<p>Ihr intensiver Duft verbreitet sich, zieht durch die geöffneten Fenster des Agriturismo und weckt alle, die vom morgendlichen Vogelkonzert noch nicht wach geworden sind.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/223d0bca01d949db838d4dce9addd11f" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>216 Stunden feiern</title>
		<link>http://reisebrei.de/?p=1012</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Jan 2011 16:59:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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		<category><![CDATA[Feria]]></category>
		<category><![CDATA[Malaga]]></category>
		<category><![CDATA[Mauren]]></category>

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		<description><![CDATA[Südspanische Sommerhitze. Eine Stadt im Partyrausch. Es ist die Zeit der Feria in Málaga. Sie ist überall, man sieht, hört und fühlt sie. Wenn die Massen aus allen Richtungen über die Calle Larios strömen, die sonst so elegante Einkaufsmeile der Stadt, wie eine unaufhaltsame, aus sich selbst wachsende Dynamik.  Der Startschuss fällt um Mitternacht des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Südspanische Sommerhitze. Eine Stadt im Partyrausch. Es ist die Zeit der Feria in Málaga. </p>
<p>Sie ist überall, man sieht, hört und fühlt sie. Wenn die Massen aus allen Richtungen über die Calle Larios strömen, die sonst so elegante Einkaufsmeile der Stadt, wie eine unaufhaltsame, aus sich selbst wachsende Dynamik. </p>
<p>Der Startschuss fällt um Mitternacht des zweiten Freitagabends im August.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Malaga.jpg" alt="Reiter auf der Wallfahrt zur Virgen de la Victoria" /></p>
<p>Das Feuerwerk im Hafen krönt die salbungsvollen Worte des Bürgermeisters und gibt den ultimativen Startschuss für den kollektiven Feierrausch.</p>
<p>Was bedeutet: Neun Tage lang 24 Stunden durch die Straßen rennen, reden, trinken, tanzen, singen, klatschen, sich mit Wasser bespritzen und weiter laufen.</p>
<p>Málaga lebt eine Art Karneval ohne Kostüme. Einige Malagueñas tragen die typischen bunten Rüschenkleider, ihre Männer traditionelle Trachten.</p>
<p>Das wichtigste Utensil der Frauen ist nicht die künstliche Nelke im Haar sondern ein bunter Fächer in der Hand - denn wer im August nicht schwitzt, schwitzt niemals.</p>
<p>Schon als Carmen noch Carmencita war, liebte sie die Feria. Früher zog die Mutter ihr das hübsche weiße Kleid mit den großen roten Punkten an, kämmte ihr kastanienbraunes Haar streng zurück und klemmte eine gelbe Plastikrose hinein.</p>
<p>Carmencita sah aus wie ein Püppchen, war Prinzessin für zehn Tage. Sogar Pincho, ihr kleiner Mischlungshund, bekam etwas Glamour ab - mit einer Art Röckchen um die Taille, natürlich gepunktet und von der Mutter selbst genäht.</p>
<p>Carmencita liebte es besonders, abends mit den Eltern zur Real de la Feria zu gehen - ein riesiges zweigeteiltes Areal. Auf der einen Seite reihte sich "caseta" an "caseta", liebevoll bemalte Holzhäuser, auf der anderen blinkten und flimmerten die verführerischen Lichter der Kirmes.</p>
<p>Schon wenn das Mädchen die Leuchtarchitektur am Eingang der Real de la Feria erblickte, glaubte sie, in eine magische Welt des Lichts einzutreten. Wie ein Stück Disneyland in Málaga. </p>
<p>Nur zu gerne ließ die "Prinzessin" Carmencita sich ablichten an einem der ersten Fotostände, auf einem lustigen Holzpferd sitzend.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Malaga2.jpg" alt="Abends auf der Real de la Feria, oder auch: Kirmes" /></p>
<p>Dann zog die Familie stundenlang über die Kirmes, aß hier und da ein paar Tapas. Carmen drehte etliche Runden auf dem Kettenkarussel, bis ihr schlecht wurde.</p>
<p>Später trafen sie Freunde und Verwandte in einer "caseta" und sahen Flamenco. Spät in der Nacht aßen sie Churros, frisch frittierte Spritzgebäckstangen, und tranken Schokolade - wegen der Energie!</p>
<p>Aber richtig prinzessinnenhaft fühlte sie sich während der Wallfahrt zur Virgen de la Victoria. Am Samstag. Ihr Vater saß vorne auf dem Kutschbock und die Familie dahinter. </p>
<p>Sie lächelte allen Leuten zu, die am Straßenrand klatschten und ihr etwas zuriefen, und wedelte elegant ihren kleinen Fächer. Carmencita liebte den Pferdegeruch in den Straßen des Zentrums, doch reiten wollte sie nie.</p>
<p>Nach der Wallfahrt platzt die Altstadt jedes Jahr aus allen Nähten - erst gegen Abend leeren sich die Straßen ein bisschen, wenn die Zeit der stolzen Stierkämpfer ist. Es ist auch die Zeit der Málaga-Limpia-Wagen.</p>
<p>Jetzt hat die Reinigungskolonne eine reelle Chance und rollt langsam durchs Zentrum, um den Chlorgeruch der Sauberkeit zu verbreiten und die Cruzcampo- und San-Miguel-Noten zu verdrängen. Das ständige Tatütatü der Notarztwagen ist verklungen. Atempause.</p>
<p>Keiner drängelt mehr bei den Straßenhändlern, die Wasser und gesalzene Mandeln verkaufen oder Plastiknelken, Sombreros, bunte Tücher und ledereingefasste Gläser für den kleinen Cartojar zwischendurch, ein "vino dulce" aus Málaga. </p>
<p>Doch die Lokale sind gefüllt, und "biznagueros" gehen von Tisch zu Tisch, um ihre Jasmingestecke zu verkaufen wie an jedem Sommerabend.</p>
<p>Noch in der selben Nacht werden die "Sterne aus Silber" sich öffnen, wie die Mauren die Jasminblüten poetisch umschrieben, und ihr hypnotisierendes Aroma verströmen.</p>
<p>Gegen Abend ist auch die Zeit der "merenda", einer kleinen Vespermahlzeit. Da immer noch die feuchtwarme Luft über der Stadt hängt, kann ein "Tinto de verano" wahre Wunder der Erfrischung vollbringen, denn die Mischung aus Rotwein, Mineralwasser und einem Stück Zitrone löscht den Durst. Eine Art Vorstufe zum Sangria.</p>
<p>Dazu ein "Ensalada malagueña" aus Kartoffeln, salzigem Stockfisch, Orangen, Zwiebeln und Öl. Vielleicht noch eine cremig-frische kalte Mandel-Knoblauch-Suppe, "Ajoblanco" oder der bewährte "Gazpacho" - und ab geht's in die nächste Runde.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Malaga3.jpg" alt="Ruhe innerhalb der dicken Mauern der Alcazaba" /></p>
<p>Und doch gibt es sie, die kleinen Fluchten für Feiermuffel. Sonntagsmorgens an den Stadtstränden Málagas, die mit Meeressand aufgefüllt und verschönert wurden. Im östlichen Residenzviertel Pedregalejo zum Beispiel, das in zehn Minuten mit dem Bus vom Zentrum den Eintritt in eine andere Welt bietet.</p>
<p>Wo man das Salz auf den Lippen schmeckt, und der Geruch von gebratenem Fisch aus den kleinen Restaurants an der Uferpromenade strömt, ticken die Uhren anders. Das Meer ist weit, und vor der Küste liegen die großen Frachtschiffe, die wissen, wie weit es ist.</p>
<p>Carmen, die letztes Jahr auf der Feria die Sohlen ihrer Flamencoschuhe durchgetanzt und Raul kennengelernt hat, lässt nun auch schon mal einen Feiertag aus und sucht das Weite. Am Meer oder im Zentrum innerhalb der alten Alcazaba-Mauern.</p>
<p>Während unten in den Straßen der Bär tobt, die Sevillanas geklatscht und getanzt werden oder dumpfe Beats aus enormen Lautsprechern tönen, birgt die ehemalige maurische Festungsanlage einen Hort der Ruhe und Entspannung.</p>
<p>Immer höher führt sie einen auf den Stadthügel hinauf, bietet Nischen, Bänke, Blumen, Brunnen. Und Carmen kann Raul ungestört küssen. Ganz oben hören sie nichts mehr von dem Rummel, hier gleitet ihr Blick über Straßenschluchten, Häuser und Hafen bis hinaus aufs Meer.</p>
<p>Wo die Mauren ein Stück ihrer filigranen Baukunst hinterlassen haben, erinnern die Malagueños sich an den eigentlichen Grund für die Fería de Agosto: der 19. August 1487. </p>
<p>Es war der Tag der Reconquista in Málaga, der Tag, an dem die katholischen Könige siegreich in die Stadt einzogen - hoch erhobenen Hauptes und mit der "Virgen de la Victoria" auf ihren Bannern.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/3350223def1d4ad7a0fadfeede7f7115" width="1" height="1" alt=""/></p>
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		<title>Dantes Inferno</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Jan 2011 16:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Basilikata]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Land ist von herber, wilder Schönheit: halbkahle Hügel, senkrecht abfallende Schluchten, hier und da grüne Sprenkel mediterraner Macchia. Die Sonne brennt auf den ausgewaschenen, beigegrauen Boden. Kein Wölkchen am Himmel und kaum ein Fahrzeug auf der Straße mitten im Karstgebiet zwischen den süditalienischen Regionen Apulien und Basilikata. Bald erreichen wir Matera, das zunächst wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Land ist von herber, wilder Schönheit: halbkahle Hügel, senkrecht abfallende Schluchten, hier und da grüne Sprenkel mediterraner Macchia. </p>
<p>Die Sonne brennt auf den ausgewaschenen, beigegrauen Boden. Kein Wölkchen am Himmel und kaum ein Fahrzeug auf der Straße mitten im Karstgebiet zwischen den süditalienischen Regionen Apulien und Basilikata.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Matera.jpg" alt="Höhlenwohnungen werden schick" /></p>
<p>Bald erreichen wir Matera, das zunächst wie eine ganz normale italienische Stadt wirkt. Fast ein wenig zu neu und geordnet. Doch nur ein Stückchen weiter zeigt die Stadt ihr anderes Gesicht. </p>
<p>Eine gewundene, steil abfallende Straße führt übergangslos auf eine sandfarbene Steinlandschaft zu.</p>
<p>Türen, Fenster und Terrassen zeichnen sich unscharf vom lehmfarbenen Untergrund ab. Hier sind die "Sassi", die Höhlenwohnungen des ursprünglichen Matera. Das Matera, das zunächst nicht da ist, unbemerkt, so wie in Carlo Levis Roman "Christus kam nur bis Eboli".</p>
<p>Das Matera, dessen steinerne, bleiche Hautfarbe mit dem felsigen Untergrund verschmilzt. Denn "Sassi" heißt Steine.</p>
<p>Man muß hinabsteigen. "In jenem Abgrund liegt Matera. (...) Diese umgedrehten Kegel, diese Trichter heißen Sassi: Sasso Caveoso und Sasso Barisano. Sie haben die Form, unter der wir uns, in der Schule, Dantes Inferno vorstellten."</p>
<p>Der Arzt und Schriftsteller Carlo Levi wurde in den dreißiger Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten ans "Ende der Welt", in die Basilikata, verbannt. Hier lernte der Turiner das andere Italien kennen, den armen "Mezzogiorno".</p>
<p>Oberhalb der tiefen Schlucht des Gravina-Wildbaches staffelt sich eine steinerne Landschaft im Einklang mit der Natur, farblich und stofflich damit verschmolzen. Eine der ältesten Besiedlungen der Welt. Siedlungsspuren von vier Jahrtausenden vor Christi Geburt lassen sich nachweisen.</p>
<p>Im Mittelalter wuchs Matera zu einer Felsenstadt. "Es sind Höhlen, die man in die verhärtete Lehmwand der Schlucht gegraben hat: Jede von ihnen hat eine vorgelegte Fassade," so Levis Beschreibung der Tuffgrottenstadt.</p>
<p>Im Gegensatz zu heute waren die Felsenwohnungen alle noch bewohnt. Ein mittelalterliches Szenario. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erklärte man die Zustände in den Sassi zur "nationalen Schande" und begann 1952 mit der Umsiedlung der dort lebenden Familien.</p>
<p>In Levis Roman wird die Tristesse der primitiven Lebensumstände jener Zeit in den Sassi anschaulich beschrieben: "In diesen schwarzen Löchern, Wände aus Erde, sah ich die Betten, die ärmliche Ausstattung, ausgebreitete Lumpen.</p>
<p>Auf dem Fußboden lagen die Hunde, die Schafe, die Ziegen, die Schweine. Jede Familie hatte, im allgemeinen, eine einzige jener Höhlen als gesamte Wohnung, und sie schliefen alle zusammen, Männer, Frauen, Kinder und Tiere."</p>
<p>Die Treppenstufen der "Sassi" sind mit grobem Stein geplastert und glänzen im Sonnenlicht, geschliffen von der jahrhundertelangen Nutzung. Im hinteren Teil eines Souvenirladens führen ein paar Stufen in eine "Museumshöhle" hinab.</p>
<p>Ein Tisch, ein Bett, ein paar Werkzeuge an der Wand, ein Nachttopf, ein Vogelkäfig. Wenig, was damals zum Leben reichen musste: Die ehemaligen Bewohner aßen aus einer großen Schüssel, lebten mit den Haustieren, die im Winter für Wärme sorgten, auf engstem Raum.</p>
<p>Die Höhlenwohnung lässt erahnen, wie man hier einst lebte. Chilischoten schmücken die Wände. Sogar die Nachtwäsche liegt fein säuberlich auf dem einzigen Bett, in dem sämtliche Familienmitglieder gemeinsam genächtigt haben.</p>
<p>Alles ist eng, nur wenig des gleißenden Mittagslichts dringt durch das einzige Fenster an der Außenfront. Armut, Krankheiten, Gestank - das war Alltag in den Höhlenwohnungen. Im Sommer ist die Behausung unter der Erde angenehm kühl, im Winter schwer beheizbar.</p>
<p>Alles Vergangenheit. Mit großem Aufwand wurden die Sassi "zivilisiert"; die Höhlenwohnungen erhalten Gas, Licht und Strom. Seit 1967 restauriert der Staat. Allein der verwaltungstechnische Aufwand hat aus dem modernen Matera eine Beamtenstadt werden lassen. </p>
<p>1993 nimmt die Unesco die "Sassi" in die Liste des schützenswerten Weltkulturerbes auf.</p>
<p>Eine zu neuem Leben erweckte Geisterstadt: Es gibt heute zahlreiche Unterkünfte, Restaurants, Pubs, Andenkenläden, Kunsthandwerk. Aber nicht nur. Viele der urigen Grotten werden aus privater Initiative restauriert. </p>
<p>Von wegen Dantes Inferno. Die Sassi werden schick, und so eine Höhlen(zweit)wohnung mit ihrem minimalistischen Charme steht bei Kreativen hoch im Kurs.</p>
<p>Text und Foto: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/05918f98f7594c2788437f5b23beca7f" width="1" height="1" alt=""> </p>
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		<title>Kunst für alle</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jan 2011 15:18:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Dozza]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Muro dipinto]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo sich die Landschaft an der römischen Konsularstraße, der Via Emilia, wellenförmig erhebt, thront das Städtchen Dozza auf einem Hügelgrat. Davide Pandolfi, ein Mann mitttleren Alters, sitzt auf einer Bank vor seinem Geschäft und wartet. Auf Kundschaft, auf Leben. Innerhalb der mittelalterlichen Mauern leben nur ein paar Hundert Menschen des insgesamt 5000-Seelen-Ortes. Vereinzelt tönen Stimmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wo sich die Landschaft an der römischen Konsularstraße, der Via Emilia, wellenförmig erhebt, thront das Städtchen Dozza auf einem Hügelgrat. </p>
<p>Davide Pandolfi, ein Mann mitttleren Alters, sitzt auf einer Bank vor seinem Geschäft und wartet. Auf Kundschaft, auf Leben.</p>
<p>Innerhalb der mittelalterlichen Mauern leben nur ein paar Hundert Menschen des insgesamt 5000-Seelen-Ortes. Vereinzelt tönen Stimmen aus den Fenstern, Radiomusik und Ragù-Gerüche dringen an die frische Luft. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Dozza.jpg" alt="In Dozza feiert man alle zwei Jahre das Fest des "Muro dipinto"" /></p>
<p>"Dozza ist ein Wohngebiet mit ein paar Geschäften, die kaum Umsatz machen. Ohne Auto geht hier nichts." </p>
<p>Pandolfi redet von der Arbeit in den nahen Städten, vom Einkaufen, von der Schule und den Freizeitaktivitäten der Kinder. "Überall müssen wir sie hinbringen." Jetzt lächelt der Mann. "Der einzige Vorteil: Wir haben die ragazzi gut im Griff." </p>
<p>Fünf Kilometer von Imola und 25 Kilometer vom geschäftigen Bologna entfernt, schläft Dozza keineswegs einen tiefen Dornröschenschlaf. Denn das Dorf hat, wovon viele andere Ortschaften dieser Größe träumen. </p>
<p>Da wäre zunächst mal die Rocca Sforzesca der illustren Herrscherin Caterina, der alten Festung, die heute mal Kulturtreffpunkt, mal Standesamt ist und zudem eine Enothek mit Weinen der gesamten Emilia Romagna in ihren Kellerräumen beherbergt. Bekannt ist auch Dozzas Wein namens Albana und die zugehörigen Festivitäten. </p>
<p>Last but not least hat sich das umtriebige Dorf auch die hohe Kunst ins Dorf geholt.</p>
<p>In einschlägigen Reiseführern lässt es sich gerne als der "malerischste Ort Italiens" bezeichnen, im wortwörtlichen Sinne. Von Dozzas Wänden schauen Augen, greifen Hände, spricht der Geist der Künstler, die sich hier verewigt haben. </p>
<p>Es ist die Stadt der "Muri Dipinti", der bemalten Mauern. </p>
<p>Wo andernorts die Bewohner ihre Wände der Kunst verweigert haben, stellen die Dozzesen ihre Hausfassaden seit über 40 Jahren freiwillig zur Verfügung. </p>
<p>Leicht ansteigend führen die beiden parallelen Hauptstraßen bis hinauf zur Festung, dem imposanten Schlusslicht des Ortes. Doch der Weg bergauf geht langsam, nicht wegen der Steigung, sondern weil es allerhand zu entdecken gibt.  </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Dozza3.jpg" alt="Ein beliebtes Motiv im Dorf: der Engel von Dozza" /></p>
<p>"Back to the roots" gibt sich die Kunst in Dozza, erinnert an die ältesten Wandmalereien und Ritzereien der Kunstgeschichte, ist öffentlich, ästhetisch, unentgeltlich, zum Alltagsleben gehörig. Die einzelnen Werke integrieren sich teils in die Architektur, oder wirken wie gehängte Bilder im Open-Air-Museum. </p>
<p>Sie sind abstrakt oder gegenständlich, nehmen Bezug auf das Dorfleben oder reflektieren die Gedanken der Künstler und transferieren Darstellungen der weiten Welt. </p>
<p>Wind, Wetter und Vandalismus setzen den bemalten Mauern zu, einige Werke wie die fantasievollen "Figure" von Remo Brindisi sind bereits teilweise dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen und mussten in die Pinakothek der alten Festung abrücken.</p>
<p>Menschliche Zerstörungswut hält sich in einem Dorf wie Dozza jedoch im Zaum. Fast schüchtern wirkt da, wer das irre dreinblickende Mädchen des Werkes von Renato Prato mittels abwaschbarer Kreide als "scema", Dummkopf, bezeichnet hat.</p>
<p>Vor allem italienische, aber auch international renommierte Künstler besuchten während all der Jahre Dozza, darunter Manuel Ruiz Pipo und die Japanerin Misao Ono.</p>
<p>"Wir sind stolz", sagt Giuliana Gaddoni-Dalmonte, Hotelbesitzerin. Einige der Künstler haben in ihrem Haus übernachtet und ihr sogar mal einen Entwurf als Andenken geschenkt. </p>
<p>Ihre Ideen stellen die Maler den Verantwortlichen der Stadt, des neu gegründeten Kunstvereins und den jeweiligen Hauseigentümern vor, dann erst geht es ans Werk. Die Stadt bezahlt Unterkunft, Verpflegung und Material der Maler, mehr nicht. </p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Dozza2.jpg" alt="Ein Blick hinter die Mauern von Manuel Ruiz Pipo" /></p>
<p>Wer durch die wenigen Straßen des Örtchens schlendert, entdeckt immer wieder neue Kunstwerke, die sich im Blickwinkel und jeweiligen Tageslicht verändern. </p>
<p>Besonders beliebt und mit Abstand das meist fotografierteste Motiv ist der Engel von Giuliana Bonazza. Der kahlköpfige "Angelo di Dozza" sitzt seitlich der Tür des Hauses 41 in der Via XX Settembre, einer der Hauptgassen des Ortes.</p>
<p>Ein Arm lehnt auf den Türbogen, die Augen geschlossen, die michelangelesken Beine zwischen Tür und Fenster geschoben. Sanftheit und Ruhe strahlen die geschwungenen Formen und die gedeckt rosarote Farbigkeit aus - passend zu Dozza.</p>
<p>Manchmal verändern sich die Kunstwerke während der Schaffensperiode auch. So ist die Geschichte eines Künstlers überliefert, der nach dem übermäßigen Genuss des Albana mit einigen Dorfbewohnern neue Einflüsse, Anspielungen auf Personen und seine Erlebnisse ins Werk integriert hat.</p>
<p>Dozza ist Freizone der unterschiedlichsten Stil- und Ausdrucksformen: Erzählerisches, Ernsthaftes, Subtiles, Trauriges, Naives, Plakatives, auch Comic-Art gibt es. Abstraktes vom venezianischen Meister Licata und Stimmungsvolles von der Morandi-Schülerin Norma Mascellani aus Bologna. </p>
<p>Besonders exotisch wirken die miteinander kommunizierenden afrikanischen Figuren des Polen Kamil Targosz in ihrer Umgebung, und doch gliedern sie sich optimal in die bestehenden Hausstrukturen ein. </p>
<p>Selbst das der japanischen Mythologie entlehnte Werk Misao Onos mit seiner schillernden Farbigkeit hat einen Bezug zu Dozza: Es enthält ein Porträt des Karate-Meisters Ishimi Yasunari, dessen Schüler der damalige Kultur- und Tourismusreferent der Stadt war. </p>
<p>Und was die Mauern der Stadt normalerweise verbergen, öffnet die Arbeit von Manuel Ruiz Pipo dem Betrachter: Eine Familie sitzt beim Abendessen im Licht des Lampenscheins.</p>
<p><img src="http://reisebrei.de/wp-content/uploads/2011/01/Dozza4.jpg" alt="In der Enoteca des Castello Sfrozesco stehen die besten Weinsorten der Emilia Romagna" /></p>
<p>Neben seiner Qualität als romantisches Kaff und verschwiegenem Treffpunkt für außereheliche Techtelmechtel gilt Dozza also als 24-Stunden-Museum. Nicht jeder Einwohner ist in der Folge ein Kunstliebhaber. "Am Anfang waren wir neugierig, jetzt sind wir daran gewöhnt", meint Geschäftsmann Pandolfi gelassen. </p>
<p>Die Schönheit hat den Alltag erobert und drängt sich nicht weiter auf. Das gepflegte Image als Ausflugs- und Residenzort bringt auch Nachteile mit sich: So mancher Bolognese richtet sich ein Wochenendhäuschen ein, die Mieten steigen. Aber auch die Lebensqualität.</p>
<p>Für einen Ort dieser Größe kann sich das Kulturangebot jedenfalls sehen lassen: Konzerte und Filmvorführungen im Innenhof der Festung während der Sommermonate, Events im nostalgischen Renaissance-Ambiente. </p>
<p>Dann die Wechselausstellungen in den alten Wohngemächern der Caterina Sforza - und nicht zu vergessen - das kleine, aber feine "Teatro comunale", eingerichtet in den ehemaligen Stallungen unterhalb der Festung.</p>
<p>Und dann ist da ja noch die Enothek: An die 800 Tropfen der Schlemmer- und Weinregion Emilia Romagna umfasst das Angebot, darunter der Sangiovese, Trebbiano und Lambrusco. Und der Albana, den schon die venezianischen Dogen geschätzt haben, wächst an den Hängen der umliegenden Hügeln.</p>
<p>Die dicken, alten Gemäuer der Rocca haben den Geruch des Weines aufgesogen wie ein Schwamm. Im Hintergrund klingen leise die melancholischen Töne der portugiesischen Gruppe "Madredeus", die dem jungen Sommelier so gefällt. </p>
<p>Vielleicht sehen Dozzas Wände nach einem Gläschen Albana und im Schatten des Abends wieder anders aus. Jedenfalls ist es unmöglich, einfach daran vorbeizuspazieren. Denn die Wände leben in dem einzigen Dorf der Emilia Romagna, das sich ständig verändern lässt.</p>
<p>Text und Fotos: Elke Weiler<br />
<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/1b9e6144cb1b48b5862444c1821ed393" width="1" height="1" alt=""/></p>
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