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Tanzen bis in die Puppen

Stadtgraben und Oder umarmen die Altstadt von Breslau. Die erste Anlaufstelle ist immer der riesige Marktplatz, umgeben von schmalen, bunten Häusern mit gotischen und barocken Fassaden.

Eigentlich sind es gleich mehrere Plätze und eine Straße, die ein Karree um das alte Rathaus bilden. An der Kreuzung der wichtigsten Handelsstraßen wurde es vom 14. bis 16. Jahrhundert errichtet.

Tag und Nacht geöffnet ist der benachbarte Blumenmarkt. Das ist auch nötig, damit die Männer ihren Frauen zu jeder Zeit Blumen mitbringen können. Das machen sie zum einen wohl generell sehr gerne, und zum anderen ist es wiederum nötig, die Frauen zu besänftigen, wenn's mal später geworden ist.

Auf dem Rynek in Breslau

Später wird's in Breslau gerne, denn die Stadt verfügt über ein reges Nachtleben. Das liegt zwar nicht nur an den zahlreichen Studenten, aber zum Großteil schon.

Zumindest an der Pasaż Niepolda, der sogenannten Niepold-Passage, etwa fünf Minuten vom Markt entfernt. Dort tummeln sich vor allem Clubs und Kneipen für die Jüngeren. Dafür ist in den Semesterferien nicht so viel los. Das ein oder andere Lokal könnte dann auch geschlossen sein.

Zu den angesagtesten Kneipenclubs gehört gewiss das “mañana” auf dem Weg zwischen Niepolda und Markt in der Mikolaja-Straße. Ein bunt gemischtes Publikum tanzt dort bei gutem Musikmix bis in die Puppen oder hängt auf abgenutzten Nostalgie-Sofas unterm Botticelli-Fake herum.

Ein Muss in Breslau und DER Tipp während der Sommerferien, weil man nun endlich eine Chance hat, auch in beliebten Clubs unterzukommen.

Im Club Kawiarna PRL am Markt mischen sich Touristen und Einheimische. Dementsprechend voll ist der Laden. Wer einen Hauch von Kommunismus spüren möchte, während er seinen Cocktail schlürft, ist zwischen den Schwarz-Weiß-Fotografien von Mao etc. und anderen “Devotionalien” gut aufgehoben.

Apropos Drinks: Recht angesagt (zumindest beim weiblichen Publikum) ist Kirschvodka mit Limonade und Zitrone. Bestelle einfach “Wiśniówka” und du kriegst eine schreiend rote Flüssigkeit mit Limo-Geschmack.

Schmeckt süß und gar nicht alkoholisch. Männer bevorzugen hier wie in weiten Teilen der Hemisphäre die härtere Variante: Vodka plus jene angeblich flügelverleihende, österreichische Aufwecklimonade.

Wesentlich bunter und schriller als im PRL geht es im Jazzda zu – ebenfalls am Markt. Das Ambiente “glänzt” mit Lichterspiel-Tanzfläche, psychodelischen Formen und Deko der 60er und 70er Jahre. Nicht zu vergessen: das Original DJ Dino. Er trägt am liebsten Afro-Style-Perücke, Sonnenbrille und Hawaiihemd.

Im Gegensatz zu den anderen Clubs gehen hier auch etwas ältere tanzwütige Leute hin. Passend zur Musik: hier darf gerockt, geswingt und zum Boogie gehüpft werden.

Wer mit brennenden Fußsohlen nach einer langen Nacht nach Hause geht und männlich ist, bitte nicht vergessen: Der Blumenmarkt ist noch geöffnet!

Text und Foto: Elke Weiler


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