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Die Stadt der 12 Inseln

Mitten in Breslau: Die Stadt lebt auf dem zentralen Marktplatz, alles trifft sich auf dem Rynek.

Einheimische und Besucher flanieren in der Sonne, sitzen auf den Bänken und lauschen den Straßenmusikern.

Einst war die Stelle Kreuzpunkt der bedeutender Handelsstraßen, und so hat man im 13. Jahrhundert den Grundstein für einen Markt gelegt.

Leben auf dem Rynek

Um den Rynek herum wuchs die Stadt vom 14. bis 16. Jahrhundert. Die Häuserfassaden sprechen immer noch die Sprache der Gotik und Renaissance, doch auch der spätere Jugendstil hat seine Spuren hinterlassen.

So geben die restaurierten Bürgerhäuser ein Zeugnis blühender Zeiten. Allein das Rathaus gilt als Schmuckstück der Gotik und Renaissance – je nachdem von welcher Seite betrachtet. Dass Breslau während des 2. Weltkriegs stark zerstört wurde, sieht man der Schönen heute nicht mehr an.

Mit ihren zwölf Inseln und 112 Brücken gilt sie als eine der beliebtesten Städte Polens. Malerisch an der Oder und ihren Nebenflüssen gelegen, hat die Stadt immer vom Wasser profitiert und wird als polnisches Venedig gepriesen.

Radfahren passt zu Wroclaw, wie die Stadt auf Polnisch heißt, und ihrer niederschlesischen Umgebung. Man muss den Rynek schon noch spazierend bewundern: Fußgängerzone!

Doch dann geht‘s per Rad in östlicher Richtung weiter. Willkommen an der frischen Sommerluft: Zu heiß ist es nämlich selten in Breslau.

Selbst im Juli und August klettern die Temperaturen meist nicht über 25 Grad Celsius – also ideales Wetter zum Radfahren.

Erster Boxenstopp: das beliebte Panorama Raclawice, ein monumentales Rundgemälde, das die Schlacht im Jahre 1794, den Sieg polnischer über russische Truppen darstellt. In der Rotunde von 1985 drängeln sich die Zuschauer um die 1892 gemalte, dramatische Darstellung des Kriegsgeschehens.

Und wieder an die frische Luft: Durch den angrenzenden Park gelangen wir zur Grunwaldzki Brücke, als erdverankerte Hängebrücke mit einer Spannweite von 126 Metern technisches Meisterwerk von 1907.

Auf der anderen Seite der Oder genießen wir die Uferwege entlang des Universitätsviertels. Wer möchte, kann einen Abstecher in den Breslauer Zoo zu Zebras, Giraffen und Elefanten machen.

Schräg gegenüber thront ein Stück Weltkulturerbe inmitten einer Parkanlage – die mächtige Jahrhunderthalle von 1913. Der Rundbau gilt als Meisterwerk des Architekten und damaligen Stadtbaurats Max Berg. Seit 2006 reiht sich die kühne Stahlbetonkonstruktion in der Liste des Weltkulturerbes ein.

Es lohnt sich, einen Blick in das lichtdurchflutete Innere zuwerfen. Allein die Kuppel beeindruckt mit einem Durchmesser von 65 Metern!

Dominsel in Breslau

Schöne Aussichten mit Asia-Flair ergeben sich im Japanischen Garten, der im selben Jahr für die Weltausstellung in Breslau angelegt wurde. Wir genießen die Ruhe umgeben von botanischen Seltenheiten und schlendern auf schmalen Pfaden um einen künstlichen See.

Der Japan-Garten ist Teil des großen Szczytniki (Scheitniger) Parks. Also lassen wir die Fahrräder noch beiseite und wandeln weiter entlang von Rosenbeeten und Rhododendronhainen – inmitten der grünen Lunge der Stadt.

Über die gleichnamige Brücke geht es zurück stadteinwärts in Richtung Dominsel: Ostrow Tumski, wie sie auf Polnisch heißt, gilt als ältester Teil der Stadt. Schon im 9. Jahrhundert errichteten slawische Siedler auf der damaligen Oder-Insel eine Festung.

Im 19. Jahrhundert schütteten die Breslauer den linken Arm zu. Nah am Wasser liegen die gotische Kathedrale und die benachbarte Doppelkirche. Bänke stehen am Ufer, Ausflugsboote schippern über die Oder ... die Dominsel ist ideal für eine Verschnaufpause.

Vor der Rückkehr zum Rynek lohnt sich ein Halt vor der 1702 gegründeten Universität, um einen Blick auf ihr Schmuckstück zu werfen, die Aula Leopoldina.

Sie schwelgt in barocken Formen: Der Überfluss regiert ein dynamisches Gebilde aus Gemälden, Plastiken und Deckenmalereien, Figuren wachsen aus den Wänden.

Eine vergleichbare Farb- und Formenfülle, wenn auch in ganz anderem Stil, bietet wohl nur der Blumenmarkt Breslaus. Wir sind wieder zurück am Rynek, und sehen die Blumenhändler auf dem benachbarten Platz.

Da polnische Männer ihren Frauen nach eigenen Angaben oft und gerne Blumen schenken, ist der bunte Markt Tag und Nacht geöffnet. Aber das Nachtleben Breslaus – das ist ein ganz anderes Thema!

Text und Fotos: Elke Weiler


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